Wittenberge ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Prignitz im Nordwesten Brandenburgs und der bevölkerungsreichste Ort in der Prignitz. Die Stadt an der Elbe, auf halber Strecke zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg, besteht seit dem Mittelalter. Sie entwickelte sich während der Industrialisierung durch den Bahnhof Wittenberge und den Elbhafen als Technologiestandort, vor allem mit den Eisenbahnausbesserungs- und Nähmaschinenwerken. Mit dem benachbarten Perleberg bildet es ein Mittelzentrum. In der Stadt finden jährlich die Elblandfestspiele statt.
Steintor, ältestes Gebäude in Wittenberge, 1297 erstmals erwähnt.
Wittenberge liegt im nordwestlichen Brandenburg in der Prignitz, etwa elf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Perleberg, am nördlichen Ufer der Elbe, direkt an der Einmündung der Stepenitz und der Karthane in diesen Strom. Die Stadt befindet sich ungefähr in der Mitte der Eisenbahnstrecken Berlin–Hamburg und Rostock–Magdeburg.
Ein eigentliches Stadtzentrum hat Wittenberge nicht. Die meisten Geschäfte und Einrichtungen befinden sich in der Bahnstraße, die nach 1846 als Verbindung zwischen Stadt und Bahnhof angelegt wurde und bis 1933 „Chausseestraße“ hieß. Zu Wittenberge gehören laut Hauptsatzung der Stadt die Ortsteile Bentwisch, Garsedow, Hinzdorf, Lindenberg, Lütjenheide, Schadebeuster und Zwischendeich.[2] Darüber hinaus sind die drei Wohnplätze Berghöfe, Hermannshof und Wallhöfe Teil des Stadtgebietes.[3]
Lütjenheide, Schadebeuster und Zwischendeich sind seit dem 20. Juni 1957 Ortsteile von Wittenberge. 1962 wurde Lindenberg nach Wittenberge eingemeindet und seit 1995 ist es ein Ortsteil von Wittenberge. Garsedow und Hinzdorf wurden am 20.Oktober 1971 eingemeindet.[4] Bentwisch kam am 1.Dezember 1997 hinzu.[5]
Panoramabild[6] von Wittenberge mit Uhrenturm, Hafen, Stepenitz, Elbe und Eisenbahnbrücke
Geschichte
Ansicht um 1850
Anfänge bis 1900
Wahrzeichen der Stadt: Uhrenturm des Nähmaschinenwerkes in Wittenberge von 1929 (größte freistehende Turmuhr Deutschlands und auf dem europäischen Festland)Architektur der DDR in der Bahnstraße nach der RenovierungArchitektur der DDR in der Bahnstraße nach der RenovierungBahnstraße, Hauptgeschäftsstraße der Stadt
Im Zuge der deutschen Besiedlung nach der Eroberung der ostelbischen Gebiete der späteren Mark Brandenburg wurde Wittenberge unter Obhut der Familie Gans gegründet, wie auch Perleberg und Putlitz. Wittenberge soll 1226 in einer Urkunde, die nur als Transsumpt in einer Originalurkunde des Markgrafen Friedrich d.J. von Brandenburg vom 15.Februar 1463 vorliegt, erstmals urkundlich erwähnt worden sein. In der besagten Urkunde verfügten die Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg, dass niemand eine Schiffsfähre auf der Elbe zwischen der Stadt Werben (Elbe) und „Wittemberge“ unterhalten darf. Hermann Krabbo bezeichnete 1910 die Urkunde von 1226 als Fälschung, was durch Forschungen im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt im Januar 2006 bekräftigt wurde. Eine weitere urkundliche Erwähnung findet sich am 29.Oktober 1239. Damals unterschrieb ein Zeuge eine Urkunde mit „prepositus de uittenberge“. Ferner wurde Wittemberg am 22.Juli 1300 urkundlich erwähnt, als der Stadtherr OttoI. Gans die Rechte Wittenberges als Stadt bestätigte.
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war Wittenberge vollständig entvölkert.[7]
Große Teile der Stadt fielen 1686 und 1757 verheerenden Bränden und 1709 und 1761 Elbdeichbrüchen zum Opfer. 1820 legte das erste Dampfschiff der Berlin-Hamburg Passagierlinie im Hafen von Wittenberge an. Der industrielle Aufschwung der Stadt wurde 1823 durch den Bau einer Ölmühle (1823–1935: Herzsche Ölmühle, 1942–1946: Märkische Ölwerke Wittenberge AG, 1946–1990: VEB Märkische Ölwerke Wittenberge, 1990–1991: Märkische Ölwerke GmbH Wittenberge) durch den Kaufmann Salomon Herz begründet.[8] Die Fertigstellung des Elbhafens im Jahr 1835 und der Anschluss an die Eisenbahnstrecke Berlin–Hamburg am 15.Oktober 1846 sowie die Fertigstellung der Anschlussstrecken nach Magdeburg zwischen 1847 und dem 25.Oktober 1851, Lüneburg (1874) und Salzwedel (1879) waren ebenfalls entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Der Ölmühle folgten 1846 eine Seifenfabrik, 1849 eine chemische Fabrik und 1875 ein Eisenbahn-Ausbesserungswerk, das bis heute besteht.
1849 wurde in Wittenberge eine Zweigstelle (Gerichtskommission) des Kreisgerichtes Perleberg eingerichtet. Diese wurde 1879 in das Amtsgericht Wittenberge umgewandelt. Dieses bestand bis 1952.
1900 bis 1945
1903 errichtete die in New York City ansässige Firma Singer Manufacturing Company eine Nähmaschinenfabrik, die bis in die 1920er Jahre weitere Ausbauten erfuhr, u.a. 1928/29 durch die größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Kontinent. Hier wurden bis zum 3.Mai 1945 die Singer-Nähmaschinen hergestellt. Während der DDR-Zeit wurde die Nähmaschinenproduktion erfolgreich weitergeführt. Die Nähmaschinen aus Wittenberge hießen jetzt VERITAS und Naumann und wurden ein Weltprodukt.
1912 erhielt das Baubüro Gropius den Auftrag, im Norden der Stadt die Projekt- und Bauleitung der großen Arbeitersiedlung Eigene Scholle zu übernehmen.[9] In den Jahren 1913/1914 entstanden auf diese Weise drei Typen von Siedlungshäusern, in denen sich erstmals Gropius’ Konzept rationell errichteter Bauten umsetzen ließ. Die Stadt Wittenberge unterließ es, die Bauten unter Denkmalschutz zu stellen, so dass durch die jahrzehntelange Nutzung sowie private Um- und Anbauten der ursprüngliche Zustand verloren ist.
Bereits 1912 war ein Teil des Friedhofs als Begräbnisstätte für die Juden der Stadt eingerichtet worden. Die 1923 gegründete Jüdische Gemeinde, die keine eigene Synagoge besaß, bestattete hier ihre verstorbenen Mitglieder. Während der NS-Zeit in Deutschland beseitigten die Nationalsozialisten den Friedhof. Außerdem befand sich ab 1942 auf dem Gelände der 1937 gegründeten Zellstoff- und Zellwollefabrik das KZ-Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme. Die etwa 3000 Häftlinge wurden unter unmenschlichen Bedingungen zur Zwangsarbeit verpflichtet. Hunderte überlebten nicht, weil sie an Hunger oder Krankheiten starben oder ermordet wurden. Im Jahr 1962 wurden Grabsteine restauriert und aufgestellt, dazu ein Gedenkstein.
Durch die Ölmühle, Singer und das Bahnwerk sowie den Bau weiterer Fabriken wie 1935 die Norddeutsche Maschinenfabrik und 1937/38 die Zellstoff- und Zellwollefabrik[10] wurde Wittenberge die wichtigste Industriestadt der Region. Durch den industriellen und damit wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Einwohnerzahl schnell an. Dies führte zur Ausweitung des Stadtgebietes. Besonders zwischen der Altstadt und dem rund 1km nordöstlich davon errichteten Bahnhof entstanden in mehreren Phasen Wohnungen für Arbeiter. Darunter sind auch etliche Gebäude der Gründerzeit, die nach und nach saniert werden. Besonderes Augenmerk verdient auch das Haus der Vier Jahreszeiten mit seiner Fassade im Jugendstil.
In den Jahren 1912–1914 wurde das Wittenberger Rathaus (Turmhöhe 51m) errichtet, das in seiner monumentalen Ausführung deutlich den großstädtischen Anspruch der aufstrebenden Industriestadt symbolisiert. Dieser Aufbruch wurde durch die Folgen des Ersten Weltkrieges 1914–1918 und die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er Jahre gedämpft.
Wittenberge hatte nach 1816 dem Kreis Westprignitz in der preußischen Provinz Brandenburg (Regierungsbezirk Potsdam) angehört. Am 1.August 1922 schied die Stadt Wittenberge aus dem Kreis Westprignitz aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis.
Im Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1944 und 1945, wurde Wittenberge fünfmal von der 8. US-Luftflotte angegriffen. Insgesamt 119 viermotorige Bomber entluden 345 Tonnen Bombenlast über der Stadt,[11] was zu erheblichen Zerstörungen an Industriebetrieben, Verkehrseinrichtungen und in Wohngebieten führte. Der Angriff am 22. Februar 1945 erfolgte im Rahmen der groß angelegten alliierten Operation Clarion und forderte 28 Tote,[12] der Angriff am 15. März 1945 über 100 Tote.[13] Insgesamt gab es in Wittenberge 216 Tote durch Bomben und Artillerie-Beschuss der Alliierten.[14] Nach der Besetzung der Stadt zum Kriegsende kam es in Wittenberge zu einer gemeinsamen Siegesparade von US-Soldaten und Rotarmisten, die zuvor an der Elbe zusammengetroffen waren.[15]
Seit 1945
Im Jahr 1950 verlor die Stadt Wittenberge ihre Kreisfreiheit und wurde wieder dem Kreis Westprignitz zugeordnet. Im Jahr 1952 löste man das Land Brandenburg und den Kreis Westprignitz auf. Wittenberge gehörte von 1952 bis zum Ende der DDR zum Kreis Perleberg im Bezirk Schwerin. Mit der Neubildung der ostdeutschen Bundesländer, 1990, gehört Wittenberge zu Brandenburg. 1993 wurden der Kreis Perleberg und damit auch Wittenberge Bestandteil des neu gebildeten Landkreises Prignitz.
Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachte für die Prignitz und Wittenberge mit dem Verlust bedeutender Betriebe erhebliche wirtschaftliche Veränderungen: Neben dem Nähmaschinenwerk wurden auch das Zellstoffwerk (VEB Zellwolle, 1990) und die Ölmühle (1991) geschlossen. Von den großen Betrieben blieb nur das Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge (RAW) als jetziges Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn AG erhalten. Aufgrund des damit verbundenen Wegfalls von Arbeitsplätzen kam es zu einer Abwanderung von Einwohnern in erheblichem Ausmaß (ca. 2% p.a. seit 1990), deren Ende noch nicht prognostiziert wurde. Der Bahnhof Wittenberge, der bis 2000 noch stündlich mit ICE-Zügen auf der Strecke Hamburg–Berlin bedient wurde, verlor drastisch an Bedeutung.
Seit der 700-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2000 ist Wittenberge der jährliche Austragungsort der überregional bekannten Elblandfestspiele Wittenberge (EFS), des internationalen Festivals der Operette und heiteren Bühnenkunst in Deutschland. Es ist damit das bedeutendste Musikfestival dieses musikalischen Genres in Deutschland. Gleichzeitig ist Wittenberge Austragungsort des Internationalen Gesangswettbewerbes für Operette – Paul Lincke.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr
Einwohner
1652
0.252
1719
0.374
1750
0.761
1800
0.884
1825
1.325
1850
4.176
Jahr
Einwohner
1875
07.640
1890
12.587
1910
20.600
1925
25.652
1933
25.343
1939
27.834
Jahr
Einwohner
1946
31.485
1950
31.343
1964
32.439
1971
33.160
1981
31.765
1985
30.519
Jahr
Einwohner
1990
28.168
1995
24.515
2000
22.163
2005
19.767
2010
18.571
2015
17.206
Jahr
Einwohner
2016
17.318
2017
17.201
2018
17.015
2019
16.925
2020
16.862
2021
16.682
11945 befanden sich etwa 6000 Flüchtlinge in Wittenberge
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[16][17][18], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011
Politik
Kommunalwahl 2019
Wahlbeteiligung: 47,3% (2014: 33,5%)
%
30
20
10
0
27,1%
25,7%
15,1%
14,8%
8,2%
6,9%
2,3%
SPD
CDU
Linke
AfD
FDP
Grüne
Fischer
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
%p
16
14
12
10
8
6
4
2
0
-2
-4
-6
-8
−3,8%p
−1,0%p
−7,9%p
+14,8%p
+2,4%p
+3,4%p
+2,3%p
SPD
CDU
Linke
AfD
FDP
Grüne
Fischer
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Altes Ergebnis nicht 100%
Rathaus Wittenberge
Stadtverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung von Wittenberge besteht aus 28 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[19]
Partei / Wählergruppe
Stimmenanteil
Sitze
SPD
27,1%
8
CDU
25,7%
7
Die Linke
15,1%
4
AfD
14,8%
4
FDP
08,2%
2
Bündnis 90/Die Grünen
06,9%
2
Einzelbewerber Frank Fischer
02,3%
1
Bürgermeister
–1897: August Jahn, nach ihm ist die Bürgermeister-Jahn-Straße benannt
1897–1908: Paul Nedwig, nach ihm ist der Hafen von Wittenberge benannt[20]
Hermann wurde als Kandidat der SPD am 10.April 2016 ohne Gegenkandidat mit 94,8% der gültigen Stimmen für weitere acht Jahre[23] in seinem Amt bestätigt.[24]
Wappen
Das Stadtwappen Wittenberges „zeigt in Silber eine dreitürmige [gezinnte] rote Burg mit abgeschrägtem [schwarz gefugten] Mauerwerk und geschlossenem goldenen Tor; über dem breiten niedrigen Mittelturm schwebend ein“ nach (heraldisch) rechts gewendeter „goldbewehrter roter Adler mit goldenen Brustspangen“. Die äußeren Türme sind einfach, der mittlere sechsfach betagleuchtet.[25]
Flagge
Die Flagge der Stadt ist Rot–Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.
Evangelische KircheHaus der vier Jahreszeiten im Wohnquartier HeisterbuschSchaukelschiff der Zeitreise von Christian UhligDenkmal an der Jahn-SchuleKatholische KircheClara-Zetkin-ParkWasserturmKultur- und Festspielhaus
Bauwerke (Auswahl)
Steintorturm (ältestes Gebäude, ca. 1300)
Alte Burg Wittenberge (Stadtmuseum Wittenberge)
Evangelische Kirche in der Altstadt, erbaut 1870–1872 mit einem 53m hohen Turm. Eine erste Kirche, deren Fundamente bei Bauarbeiten 1997 wiederentdeckt wurden, entstand hier im 13.Jahrhundert. Vor ihr wurde der Marktplatz der Stadt angelegt. Sie brannte 1652 und 1757 ab. Der Wiederaufbau war 1771 vollendet, doch im 19.Jahrhundert erwies sich die Kirche als zu klein für die wachsende Stadt. Sie wurde 1870 abgerissen und wurde durch den heutigen Ziegelbau mit 1200 Sitzplätzen ersetzt.[26]
Neoklassizistisches Kultur- und Festspielhaus, 1959 erbaut und 1999 wieder eröffnet.
Katholische Kirche St. Heinrich, erbaut 1898, mit moderner Innengestaltung (1976) von Friedrich Press
Neobarockes Rathaus (1912–1914) (Turmbesteigung in der wärmeren Jahreszeit möglich)
Historischer Wasserturm im Stadtpark (1905 erbaut) mit Trinkhalle
Jugendstilhaus Haus der vier Jahreszeiten, erbaut 1906, in der Johannes-Runge-Straße am Schillerplatz im 1900–1914 angelegten Wohnquartier Heisterbusch. Im Bereich der Fassade sind die vier Jahreszeiten mit farbenfrohen geometrischen und Blumenmustern dargestellt. Im Quartier finden sich zahlreiche weitere Beispiele des Jugendstils mit Fachwerkgiebeln, Erkern, Keramik und Stuck.
Historischer Bahnhof mit großem Gründerzeit-Speisesaal, 1846 im klassizistischen Stil als größtes Bahnhofsgebäude zwischen Hamburg und Berlin erbaut. Ursprünglich befanden sich auch vor dem Empfangsgebäude Bahnsteige und Gleise. Seit dem Umbau von 2004 bis 2007, in dem das Umfeld des Bahnhofs durch den Rückbau nicht mehr benötigter Gleise und Bahnsteige neu gestaltet wurde, öffnet sich das Empfangsgebäude zur Stadt hin.
Alte Ölmühle zu Wittenberge, erbaut 1856,[27] einzige Brauerei in Wittenberge[28] und Festspielgelände der Elblandfestspiele mit „Elblandbühne“, Kapazität ca. 3500 Besucher
Ehemalige Singer-/Veritas-Nähmaschinenwerke (erbaut 1903)
Uhrenturm, größte freistehende Turmuhr auf dem europäischen Festland
Gropiussiedlung Eigene Scholle im Norden der Stadt
Elbebrücke Wittenberge (B 189) (1978), mit 1.110m längste in der DDR gebaute Straßenbrücke
Elbebrücke Wittenberge (Eisenbahn) (1987), mit 1.030m längste in der DDR gebaute Eisenbahnbrücke
Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Wittenberge
Skulpturen und Denkmale (Auswahl)
Der Bildhauer Christian Uhlig schuf die dreiteilige Skulpturengruppe Zeitreise, die am Elbufer platziert wurde.
Gedenkstein von 1949 gegenüber dem Haupteingang des Friedhofs an der Parkstraße 30 für die Opfer des Faschismus durch KZ-Terror und Zwangsarbeit
Mahnmal von 1996 für die Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft in der Nähe der Feierhalle
Gedenkstein im Hof des ehemaligen Nähmaschinenwerkes in der Bad Wilsnacker Straße 43 für sieben Personen, die als antifaschistische Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter(innen) ermordet wurden
Gedenkstein von 1962 zur Erinnerung an den Jüdischen Friedhof auf dem Gelände des Städtischen Friedhofes
Gedenkstein von 1969 an der Ernst-Thälmann-Straße für den gleichnamigen Arbeiterpolitiker, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde
Parks
Stadtpark
Waldfriedhof
Schützenplatz (Veranstaltungsort für Zirkus, Schützenfest, Osterfeuer)
Clara-Zetkin-Park, ab 1967 auf dem Gelände des 1918 aufgelösten früheren städtischen Friedhofs an der Perleberger Straße angelegt und 1969 nach Clara Zetkin benannt. 2018–2020 wurde der Park neu gestaltet.[29]
Kultur- und Festspielhaus Wittenberge am Paul-Lincke-Platz
Elblandfestspiele Wittenberge – internationales Festival für Operette und heitere Bühnenkunst in Deutschland (jährliche Veranstaltungen in den Sommermonaten)
Kino Movie Star in der Friedrich-Ebert-Straße 15 nahe dem Bismarckplatz
Regelmäßige Veranstaltungen
im Mai: Internationale Schießsportwoche
im Mai: Internationaler Gesangswettbewerb für Operette „Paul Lincke“ Wittenberge
im Juni: Freiluft-Volleyballturnier „Volleyballsommer“ des SV Empor / Grün-Rot Wittenberge 1990 e.V.
im Juni: Dixilandfest im Hof des Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge
zu Pfingsten: Country-Music-Festival Wittenberge, auf dem Sport- und Freizeitgelände des ESV 1888 nahe dem Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn
im Juli: Elblandfestspiele Wittenberge
im August: Stadt- und Hafenfest, Elb-Badetag
Kulinarische Spezialitäten der Region
Knieperkohl („Saurer Hansen“)
Weiteres
Zum regional tradierten Volksgut gehört die Legende vom Fährmann Hildebrand.
Wirtschaft und Infrastruktur
Produktionsstätte der Nähmaschinen Veritas und Naumann, 1987
Unternehmen
Der Wirtschaftsstandort ist Teil des Wachstumskerns Prignitz, einer von 15 Regionalen Wachstumskernen im Land Brandenburg. Dadurch werden ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert.
In Wittenberge gab es 89 Jahre lang das Nähmaschinenwerk Wittenberge mit 3200 Mitarbeitern im Jahr 1989. Obwohl hier in den 1980er Jahren noch neue Fertigungsanlagen errichtet wurden, sah die Treuhandanstalt keine Zukunft für das Werk und liquidierte es kurz nach der Wende 1992. Seinen Ursprung hatte das Werk 1903 als Zweigwerk der amerikanischen Firma Singer, die produzierten Maschinen trugen die Namen Veritas und Naumann.
In den Jahren 2012 und 2013 gab es Gewerbeansiedlungen wie den österreichischen Dämmstoffhersteller Austrotherm, den Frankiermaschinenhersteller Francotyp-Postalia[31] oder den Transformatorenhersteller Schacht GmbH.
Der weiterhin noch größte Arbeitgeber ist mit dem DB Werk Wittenberge die Deutsche Bahn, es ist mit der Instandhaltung von Reisezugwagen beauftragt. Von 2012 bis 2014 erfolgte dort die Revision der Doppelstockwagen mit Einbau neuer Monitore, LED statt Röhren und Notebook-Stromanschlüssen für den Nahverkehr in z.B. Hessen und Brandenburg. Ebenso wird dort die IC-Flotte der Deutschen Bahn modernisiert.[32]
Verkehr
Straßenverkehr
Wittenberge liegt an der Bundesstraße 189 zwischen Perleberg und Stendal. Von der B189 zweigt hier die B195 nach Boizenburg ab. Über die Landesstraße L11 ist Bad Wilsnack erreichbar.
Die Elbbrücke an der B 189 bei Wittenberge ist die einzige Straßenbrücke zwischen den Brücken der B191 bei Dömitz (etwa 50km flussabwärts) und der B188 bei Tangermünde (etwa 60km flussaufwärts). Dazwischen kann die Elbe nur mit Hilfe von Fähren überquert werden.
Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Karstädt an der A14 und Wittstock an der A19 nach Rostock. Mit dem geplanten Lückenschluss der A14 (Magdeburg–Schwerin) wird Wittenberge eine neue Elbebrücke und einen direkten Autobahnanschluss erhalten.
Schienenverkehr
Bahnhof WittenbergeDB-Werk Wittenberge
Der Bahnhof Wittenberge mit umfangreichen weiteren Betriebseinrichtungen liegt an der Schnellfahrstrecke Berlin–Hamburg und ist die wichtigste Station zwischen den beiden Städten. Er ist außerdem Ausgangspunkt der Bahnstrecken nach Wittstock (Dosse) und Stendal.
Wittenberge wird im Fernverkehr von einzelnen Intercity-Express-Zügen der Linie (Kopenhagen/Aarhus–)Hamburg–Berlin(–Leipzig–München) und von weiteren Intercity- bzw. Eurocity-Zügen auf der Strecke (Westerland–)Hamburg–Berlin–Dresden(–Prag–Bratislava bzw. Wien) angefahren. Einmal wöchentlich verkehrt zusätzlich ein Intercity Rostock–Schwerin–Stendal–Magdeburg–Leipzig.
Im Regionalverkehr halten hier Regional-Express-Züge der Linie RE 2 (Wismar–Schwerin–)Wittenberge–Berlin–Cottbus im Stunden-Takt (zwischen Wittenberge und Wismar im Zwei-Stunden-Takt). Die Regionalbahnlinie S1 nach Stendal–Wolmirstedt–Magdeburg–Schönebeck (Elbe) und die Regional-Express-Linie RE6 nach Perleberg–Pritzwalk–Wittstock (Dosse)–Neuruppin–Berlin Gesundbrunnen verkehren stündlich. Die Bahnstrecke nach Arendsee–Salzwedel ist mittlerweile ohne Personenverkehr und wurde durch den Landesbus 200 ersetzt.
Zuvor verkehrten hier ab 1870 auch die Züge der Bahnstrecke Wittenberge–Lüneburg der Berlin-Hamburger Bahn, die bei Dömitz über die Elbe und über Dannenberg und Lüneburg nach Buchholz führte. Sie sollte ursprünglich der direkten Verbindung Berlin–Bremen dienen, was aber nicht zustande kam. Während der Zeit der DDR war der Bahnhof Wittenberge einer der wichtigsten Bahnhöfe im nordwestlichen Bereich des Netzes der Deutschen Reichsbahn und, von den Grenzbahnhöfen Schwanheide und Griebnitzsee bzw. Staaken abgesehen, einzige Haltestelle der Interzonenzüge zwischen Hamburg und Berlin.
Mit der Aufbereitung Wittenberger Eisenbahngeschichte beschäftigt sich der Verein Historischer Lokschuppen Wittenberge e.V. Im Lokschuppen sind seit 2012 die Fahrzeuge des Dampflokfreunde Salzwedel e.V. stationiert.
Schiffsverkehr
Neuer Anleger für Tankschiffe in Wittenberge
An der Einmündung der Stepenitz in die Elbe direkt am Industriegebiet Süd befindet sich der Hafen von Wittenberge. Am Mehrzweckanleger können verschiedene Güterarten umgeschlagen werden. Der Hafenbahnhof mit vier Verladegleisen ermöglicht trimodalen Umschlag. Ein zusätzlicher Anleger für Flüssiggüter ermöglicht direktes Be- und Entladen von Tankschiffen ohne Zwischentransport. Der Betreiber des Binnenhafens ist die ElbePort Wittenberge GmbH, ein Tochterunternehmen der Eisenbahngesellschaft Potsdam mbH (EGP).
Öffentliche Einrichtungen
Stadtinformation Wittenberge im Festspielhaus am Paul-Lincke-Platz
Polizei, Feuerwehr, Kraftwerk, Post
Bildung
Neben dem Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge gibt es noch die Oberschule Wittenberge, das Oberstufenzentrum des Landkreises Prignitz, mehrere Grund- und Förderschulen[33] sowie acht Kindertagesstätten, die von der Stadt oder anderen Betreibern unterhalten werden.[34]
Die Kreisvolkshochschule Prignitz bietet Weiterbildung für Erwachsene, auch auf dem zweiten Bildungsweg.
1907 wurde eine Stadtbibliothek eröffnet, die seit 1954 den Namen Martin-Andersen-Nexö-Bibliothek trägt und 2019 etwa 33.000 Medien anbot.[35][36]
Sport
Derzeit gibt es 20 Sportvereine mit knapp 2170 Mitgliedern. Die Wittenberger Schützengilde, einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Vereine der Stadt, brachte Welt- und Europameister hervor, auch aus dem Tanzcentrum Wittenberge kamen Europameister.
Thomas Flint (* 1966), Richter am Bundessozialgericht
Richard Kruspe (* 1967), Rockmusiker
Christine Magerski (* 1969), Literatur- und Kulturwissenschaftlerin
Mit Wittenberge verbundene Persönlichkeiten
Gans zu Wittenberge, Stadtgründer
Salomon Herz (1791–1865), jüdischer Kaufmann aus Berlin, Gründer der Wittenberger Ölmühle an der Elbe
Paul Lincke (1866–1946), Operettenkomponist, 1882–1886 musikalische Ausbildung an der Wittenberger Stadtpfeiferei unter Rudolph Kleinow
Johann Wilhelm Trollmann (1907–1944), sinto-deutscher Boxer; 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht, 1944 im Außenlager Wittenberge des KZ Neuengamme ermordet
Ulrich Woronowicz (1928–2011), evangelischer Theologe und Buchautor, Pfarrer in Wittenberge
Georg-Michael Fleischer (1941–2022), Chirurg, Chefarzt in Wittenberge
Sonstiges
Die Stadt erhielt mit den Jahren zwei Identifikationsnamen, den ersten wegen des Nähmaschinenwerkes – Wittenberge Stadt der Nähmaschinen – und den zweiten, da die meisten Arbeiter des Nähmaschinen- und des Zellwollwerks, aber auch die der Ölmühle ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad bestritten, Fahrradstadt Wittenberge, und seit 2000 zunehmend Festspielstadt Wittenberge.
Wittenberge ist beliebter Drehort diverser Filmproduktionen (historische Bausubstanz-Kulissen) u.a.:
Zum Beispiel Wittenberge. In: Die Zeit, Nr. 10/2010 (Zusammenfassung zum Forschungsprojekt von 28 Wissenschaftlern über das Leben in Wittenberge, Untersuchungszeitraum 2007–2009)
Klaus Neitmann (Hrsg.):Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Bearbeitet von Lieselott Enders (=Begründet von Friedrich Beck [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam). Band3). Teil 1: Prignitz, N–Z. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-033-3, S.967ff.
Martin Zeiller:Wittenberg. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (=Topographia Germaniae. Band13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S.124 (Volltext[Wikisource]).
Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
Eingliederung der Gemeinde Bentwisch in die Stadt Wittenberge. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 26. November 1997. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 8. Jahrgang, Nummer 50, 16. Dezember 1997, S. 998.
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
Vortrag über das AW Wittenberge (Mementodes Originals vom 20. November 2012 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brandenburger-wirtschaftstag.de (PDF; 4,1MB) brandenburger-wirtschaftstag.de; abgerufen am 7. September 2012.
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