Die durchschnittliche Lufttemperatur in Seehausen beträgt 8,5°C, der jährliche Niederschlag 541Millimeter.
Der Deutsche Wetterdienst betreibt in Seehausen eine Wetterwarte, die neben der Wetter- und Klimabeobachtung auch in der Radioaktivitätsüberwachung tätig ist. Die WMO-Kennziffer der Wetterwarte Seehausen ist 10261. Am 1. Oktober 1976 war sie eingerichtet worden. Die Station ist seit dem 3. Dezember 2018 unbemannt.[7]
Geschichte
BeustertorKirche St. PetriHauptstraße (Große Brüderstraße)Rathaus
Funde lassen vermuten, dass das Gebiet um Seehausen seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Die Ernennung zur Stadt erfolgte 1151 unter Albrecht dem Bären, der neben der schon ansässigen slawischen Bevölkerung holländische Siedler zur weiteren Eindeichung des Gebiets ansiedelte.[8] Der Name der Stadt leitet sich nicht durch einen See in Stadtnähe ab. Wahrscheinlicher ist, dass der Name auf den Grafen von Sidag zurückgeht, dem das Gebiet als Lehen gegeben war. Bischof Wigbert erwähnt 1009 eine Siedlung mit dem Namen Sidageshusen am heutigen Ort von Seehausen. Seehausen war von 1358 bis 1488 Mitglied der Hanse.
Als mittelalterliche Stadt verfügte Seehausen über eine Stadtbefestigung. Reste der Stadtmauer und eines von fünf Stadttoren, das Beustertor, sind noch heute erhalten. Auch gab es mehrere Kirchen im Stadtgebiet, von denen einige zu Hospitälern gehörten. Im Dreißigjährigen Krieg war auch die Altmark und damit Seehausen von den Auseinandersetzungen betroffen. So wurden für den Bau der Schwedenschanze bei Werben Baumaterialien requiriert und eine Vorstadt dafür abgebrochen.
Die Stadt war von 1569 bis 1721 von Hexenverfolgungen betroffen. In 25 Hexenprozessen gab es 14 Hinrichtungen, eine Frau starb an den Folgen der Folter, eine Frau beging in der Haft Selbstmord.[9]
In den 1840er Jahren bildete sich in Seehausen die größte jüdische Gemeinde der Altmark. Sie richtete 1860 eine Synagoge ein, gab diese aber 1900 wieder auf. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde der 1828 angelegte nahegelegene Jüdische Friedhof Am Schillerhain von Nationalsozialisten zerstört.[10]
1849 wurde Seehausen an das Eisenbahnnetz der Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge angeschlossen und erhielt auch einen eigenen Bahnhof (heute Haltepunkt), damals noch etwas außerhalb der Stadt. Im Jahre 1865 wurde das neu erbaute Gymnasium eröffnet.
Seehausen liegt am westlichen Rand der Wische, eines ehemaligen Überflutungsgebietes der Elbe. So war die Stadt auch mehrfach in ihrer Geschichte von Deichbrüchen und Überflutungen betroffen, so auch 1909, als der Deich bei Kannenberg brach.
Seehausen stand ab dem 12. April 1945 unter amerikanischer, vom 1. bis 30. Juni 1945 unter englischer und ab dem 1. Juli 1945 unter sowjetischer Besatzung.[11]
Seehausen gehörte bis 1952 zum Landkreis Osterburg, wurde aber im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR zu einer Kreisstadt im neu gegründeten Bezirk Magdeburg. Der Kreis Seehausen wurde 1965 aufgelöst und dem Kreis Osterburg angeschlossen.
Eingemeindungen
Am 1. Februar 1974 wurde Behrend eingemeindet.[12]
Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[13] Am 1. September 2010 wurde auch noch Schönberg eingemeindet.[14]
Einwohnerentwicklung
Jahr
Einwohner
1567
0420
1608
0370
1653
0124
1730
1.044
1733
1.092
1740
1.100
Jahr
Einwohner
1750
1.340
1770
1.539
1774
1.540
1780
1.627
1790
1.820
1801
1.996
Jahr
Einwohner
1818
2.283
1840
3.019
1848
3.095
1864
4.104
1871
3.917
1885
3.788
Jahr
Einwohner
1895
3.803
1905
3.565
1925
4.195
1939
4.594
1946
4.951
1964
5.267
Jahr
Einwohner
1971
5.259
1981
5.318
1990
6.935
1995
6.639
2000
6.386
2005
5.893
Jahr
Einwohner
2010
5.329
2011
5.237
2012
5.198
2013
5.146
2014
5.035
2015
5.033
1557–1718 (nur Anzahl der Bürger),[15] 1730–1981,[16][17] ab 1990 Stand 31. Dezember des jeweiligen Jahres.[18][19]
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Stadtrat
Bei der Stadtratswahl am 26. Mai 2019 errangen von den 14 Sitzen jeweils vier Sitze die Unabhängige Wählergemeinschaft Beuster-Geesgottberg-Losenrade-Schönberg (UWG B-G-L-S) und die Unabhängige Wählergemeinschaft Seehausen (UWG). Ein Einzelbewerber errang zwar rechnerisch drei Sitze, davon waren zwei Sitze aber nicht zuteilbar. Die CDU erreichte zwei Sitze. Jeweils einen Sitz erhielten: Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP. Fünf Stadträte sind Frauen. Die SPD stellte sich nicht zur Wahl.[20][21]
Bürgermeister
Der derzeitige Bürgermeister ist seit dem 17. Februar 2013 Detlef Neumann (UWG).[23][24]
Wappen
Das Wappen wurde am 28. April 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Blasonierung: „In Silber ein golden bewehrter roter Adler mit ausgeschlagener Zunge, die Fänge begleitet von je einem grünen Seeblatt.“[4]
Das Wappen mit dem märkischen Adler entstand etwa im 13. Jahrhundert. Auf einer Urkunde von 1353 trägt er goldene Brustspangen mit Kleeblattenden. Die Bedeutung der Seeblätter ist nicht klar, da es in Stadtnähe keinen See gab (erst 1975/77 entstand einer im Norden der Stadt, durch Ausbaggerung für den Elbbrückenbau bei Wittenberge). Vielleicht waren die Lage der Stadt am Urstromtal der Elbe und die häufigen Überflutungen durch Hochwasser in den vergangenen Jahrhunderten der Grund für die Aufnahme der Seeblätter.
Flagge
Die Flagge wurde am 8. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Die Flagge ist Rot – Weiß – Rot (1:4:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten; Querflagge: Streifen von rechts nach links verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Stadt.[4]
Barsberge mit historischem Hundefriedhof Barsberge, Försterfriedhof Barsberge und Fünf-Brüder-Eiche
Die Kulturdenkmale der Gemeinde sind im örtlichen Denkmalverzeichnis eingetragen.
Kirchen
Die evangelische Kirche der Stadt Seehausen ist die Kirche St. Petri. Sie wurde 1170–1180 als romanische Basilika erbaut und 1440–1480 in eine gotische Hallenkirche umgebaut.[26] Benannt ist sie nach Simon Petrus. Ihre Türme sind weithin sichtbar, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Stendal. Die katholische Kirche St. Johannes Baptist wurde 1937/38 erbaut und nach Johannes dem Täufer benannt. Sie gehört zur Pfarrei St. Anna in Stendal. Die Adventkapelle gehört zur freikirchlichen Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten. Die Salzkirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut, war früher Heilig-Geist-Kirche eines Hospitals und wurde später als Speicher oder Elektrizitätswerk genutzt.
Gedenkstätten
Gedenkstein von 1988 zur Erinnerung an den zerstörten Jüdischen Friedhof
Ehrenmal für die Opfer des Faschismus Am Schillerhain
Gedenktafel am Kreiskrankenhaus „Albert Steinert“ für den Arzt Albert Steinert, der 1945 mit der weißen Fahne den Beschuss der Stadt durch US-Truppen verhindern wollte und deswegen von einem Wehrmachtsmajor ermordet wurde
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Der Haltepunkt Seehausen (Altm) liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge. Im Stundentakt hält die Linie S1 der S-Bahn Mittelelbe.
Das ehemalige Winckelmann-Gymnasium gehört seit 2008 wegen der gesunkenen Schülerzahlen zum Osterburger Gymnasium. Es wurde 1864/1865 errichtet und liegt vor dem ehemaligen Vieh- oder Schultor. Von 1743 bis 1748 wirkte Johann Joachim Winckelmann, Altertumsforscher und Lehrer, als Konrektor an der Seehäuser Lateinschule. Weiterhin gibt es eine Sekundarschule und eine Grundschule.
Unternehmen
Größter industrieller Arbeitgeber in Seehausen ist die Graepel-STUV GmbH, die Blechprofilroste fertigt. Der Betrieb wurde bereits 1949 als Maschinenausleihstation (MAS) gegründet und 1952 zur Maschinen-Traktoren-Station (MTS) erweitert. 1973 in LIA (Landtechnische Industrieanlagen) umbenannt, begann der Betrieb mit der Fertigung industrieller Stallanlagen. In dieser Zeit wurde die Verzinkerei gebaut. 1990 firmierte der Betrieb abermals um, und zwar in „Stalltechnik und Verzinkung GmbH“ (kurz STUV). 1991 wurde die STUV als 100-prozentige Tochter der Friedrich Graepel AG Löningen übernommen und 1996 in Graepel-STUV GmbH umbenannt. Die Konsumgenossenschaft Seehausen/Altmark eG ist regionaler Nahversorger an 14 Standorten in der Altmark.
Sport
Seehausen gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die im Altmärkischen Wanderverein organisiert sind.[28]
Film
Der DEFA-Spielfilm Jadup und Boel (Regie: Rainer Simon) mit Kurt Böwe und Katrin Knappe in den Titelrollen wurde 1980 in Seehausen gedreht und noch vor der Premiere verboten. Erstmals aufgeführt wurde die Produktion am 12. Mai 1988.[29][30]
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Minna Nanitz
Wilhelm Faehre (1832–), Landrat und Bürgermeister
Minna Nanitz (1842–1903), Opernsängerin
Albert Detto (1845–1910), Reichstagsabgeordneter (Nationalliberale Partei)
Arnold Hiller (1847–1919), Hochschullehrer und Sanitätsoffizier
Hermann Krause (1854–1920), Richter und Parlamentarier
Johannes Luther (1861–1954), Germanist und Bibliothekar
Max Sannemann (1867–1924), Komponist und Musikpädagoge
Max Busse (1895 – nach 1957), Reichsgerichtsrat
Elfe Schneider (1905–1970), Schauspielerin, Synchronsprecherin und Fotografin
Egon Martyrer (1906–1975), Ingenieur und Hochschullehrer
Ruth Greuner (* 1931), Schriftstellerin, Herausgeberin, Verlagslektorin und Journalistin
Günther Nölle (1934–1999), Physiker und Hochschullehrer
Irmgard Klingbeil (1935–2019), Politikerin (CDU)
Hans-Georg Löffler (* 1937), Generalmajor der Nationalen Volksarmee der DDR
Albrecht Franke (* 1950), Schriftsteller
Gerd F. Schultze (* 1955), Produzent, Regisseur und Autor
Knut Korschewsky (* 1960), Politiker (Die Linke)
Karen Heinrichs (* 1974), Hörfunk- und Fernsehmoderatorin
Kathrin Thüring (* 1981), Hörfunkmoderatorin
Christopher Kohn (* 1984), Schauspieler und Synchronsprecher
Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), Begründer der modernen Kunstwissenschaften und der Klassischen Archäologie, von 1743 bis 1748 Konrektor der Lateinschule in Seehausen
Albert Steinert (1886–1945), hat sich als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus gegen die Zerstörung der Stadt eingesetzt
Literatur
Paul Kanut Schäfer: Der Arzt von Seehausen, in: Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, Berlin 1966, S. 22. - Die Geschichte wurde von Kurt Menke in der DDR-Reihe k.a.p. - Band 8, Arzt im Niemandsland, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1966 mit veränderten Namen, aber in memoriam Dr. Steinert aufgegriffen.
Heinzgeorg Oette, Ludwig Schumann: „Sachsen-Anhalt“, 1. Auflage 2016, Trescher Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89794-325-4, S. 333.
Peter P. Rohrlach:Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII) – Band 2 – L–Z. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S.2060ff.
Gottfried Daume: Bilder aus Seehausens Vergangenheit: ortsgeschichtliche Skizzen aus der Altmark. Heft 1 und 2. 2. Auflage: 1925, Seehausen, DNB 560415648, Heft 3. Die eiserne Zeit in Seehausen i. Altmark 1806–1815, Seehausen 1914
Kurt Maaß:Chronik Seehausen. Stadt Seehausen (Altmark), Seehausen (Altmark) 2001, DNB96475956X.
Martin Zeiller:Seehusen. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (=Topographia Germaniae. Band13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S.93–94 (Volltext[Wikisource]).
Thomas Westermann:Wetterstation am Grashöfer Weg künftig „unbemannt“. Einrichtung in Seehausen automatisiert. In: Altmark Zeitung Seehausen. 3.Dezember 2019 (az-online.de[abgerufen am 24.Juni 2021]).
Jakob Schwalm (Hrsg.): Die Cronica Novella des Hermann Korner. Göttingen 1895 (doi:10.17192/eb2010.0073 des Exemplars der UB Marburg), S. 536 (585)
Ludolf Parisius:Bilder aus der Altmark. Seehausen und die Wische. Band2, S.267 (auf ub.uni-duesseldorf.de).
Peter P. Rohrlach:Historisches Ortslexikon für die Altmark (=Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S.2072, doi:10.35998/9783830522355.
Gebietsstand des jeweiligen Jahres. Die späteren Eingemeindungen wurden nicht rückwirkend dazugezählt.
Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (=Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102). ZDB-ID2921504-3 (destatis.de). (Jahr anklicken)
Die Eingemeindungen nach 1990 wurden rückwirkend bis 1990 dazugezählt.
Matthias Puhle: Die Hanse – 16 Städtebilder aus Sachsen-Anhalt, S. 113. Dössel (Saalekreis) 2008
Matthias Puhle: Die Hanse - 16 Städte in Sachsen-Anhalt, S. 111. Dössel (Saalekreis) 2008.
Landesnetz Bahn/Bus: Start im Altmarkkreis Salzwedel (Mementodes Originals vom 19. April 2014 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nasa.de
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