Jägerndorf nordwestlich von Troppau und westlich von Ratibor auf einer Landkarte von 1910
Die Stadt liegt in der Region Mährisch-Schlesien (Moravskoslezský kraj) an der Grenze zu Polen und am Zusammenfluss von Opava (Oppa) und Opavice (Goldoppa) am Niederen Gesenke, zu Füßen des Burgberges (Přední Cvilínský kopec, im Volksmund Cvilín). Die Stadt befindet sich im Zuckmanteler Bergland (Oppagebirge), ihr südliches (Šelemburk (Schellenberg), Cvilín (Burgberg), Mariánské Pole (Marienfeld), Flugplatz) sowie westliches Stadtgebiet (Kostelec (Weisskirch), Ježník (Mösnig)) am Niederen Gesenke und das südöstlich gelegene Červený Dvůr (Roter Bau) am Leobschützer Lößhügelland. Durch die Stadt führt die Fernstraße 45 zum an der Ortsgrenze liegenden Grenzübergang nach Polen und nach Süden nach Bruntál (Freudenthal). Auch die internationale Bahnstrecke Ostrau– Breslau verläuft durch Krnov.
Rathaus und SparkassengebäudeHauptplatz mit Pfarrkirche St. MartinHof des SchlossesLiechtensteinwarte auf dem Burgberg Cvilín
Gliederung
Krnov gliedert sich in die drei Stadtteile Krásné Loučky (Schönwiese), Pod Bezručovým vrchem (Unter dem Hanselberg) und Pod Cvilínem (Unter dem Burgberg) und zugleich in die drei Katastralgebiete Krásné Loučky (Schönwiese), Krnov-Horní Předměstí (Jägerndorf-Ober Vorstadt), Krnov-Opavské Předměstí (Jägerndorf-Troppauer Vorstadt).
Außerdem gibt es die Katastralgemeinden Horní Předměstí (Ober Vorstadt), Hlubčické Předměstí (Leobschützer Vorstadt), Opavské Předměstí (Troppauer Vorstadt), Guntramovice (Güntersdorf), Chomýž (Komeise), Chařová (Krotendorf), Mariánské Pole (Marienfeld), Ježník (Mösnig), Červený Dvůr (Roter Bau) und Kostelec (Weißkirch).
Geschichte
Entstehungszeit
Die Gegend wurde erstmals in der Steinzeit besiedelt, etwa um 3000 v. Chr. Eine solche Siedlung befand sich auf dem Burgberg. Im 12. und 13. Jahrhundert riefen böhmische Herzöge und Könige Deutsche als Bauern, Bergleute, Handwerker, Kaufleute und Künstler ins Land, um von ihnen die bis dahin wegen der Mongolenüberfälle nur sehr dünn besiedelten Randgebiete erschließen und kultivieren zu lassen. Auch Juden und vereinzelt Walachen kamen damals ins Land. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes als Völkisch Kyrnow stammt aus einer Urkunde von Wenzel I. von 1240. Die Bezeichnung Jegerdorf wurde 1253 im Zusammenhang mit der Erwähnung des ersten Vogts Siegfried gebraucht. In den Urkunden des Mittelalters findet sich auch der lateinische Name Carnovia.
Um 1269 gelangte das zur mährischen Provinz Troppau gehörende Jägerndorf an den außerehelichen Sohn des böhmischen Königs Ottokar II., Nikolaus I. von Troppau, den Begründer des Herzogtums Troppau. 1273 gründete der Minoritenorden in Jägerndorf ein Kloster, das sich in der Folgezeit zu einem bedeutenden Zentrum des Ordens entwickelte und bis weit in den osteuropäischen Raum (Litauen, Weißrussland, Ukraine) ausstrahlte. 1281 ließ sich auch der Deutsche Orden in Jägerndorf nieder. Zu welchem Zeitpunkt der Ort Jägerndorf die Stadtrechte erhielt, ist nicht überliefert, jedoch wurden sie 1279 durch die Regentin Kunigunde, die Witwe des böhmischen Königs Ottokar II. bestätigt. Das älteste Stadtwappen stammt von 1311 und zeigt drei goldene Jagdhörner und drei silberne Sterne auf blauem Grund. Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden die ersten Handwerksbetriebe, die Leinen und Tuche herstellten und damit eine noch andauernde Tradition begründeten. Erstmals 1335 wurde ein Schöffengericht in der Stadt nachgewiesen, das auch die Blutgerichtsbarkeit besaß. Mit Peter Vogt wurde 1371 zum ersten Mal ein Bürgermeister urkundlich erwähnt. Nach dem Tod des Troppauer Přemysliden Nikolaus II. wurde das Herzogtum Troppau 1367 auf dessen Söhne Přemysl I., Nikolaus III., WenzelI. und Johann I. aufgeteilt. Johann I. erhielt vorab als Alleinerbe das Herzogtum Ratibor, wodurch er Stammvater der přemyslidischen Linie Troppau-Ratibor wurde. 1377 wurde das Herzogtum Troppau wiederum geteilt, wobei Johann I. das Gebiet von Jägerndorf erhielt, das zum eigenständigen Herzogtum Jägerndorf erhoben wurde und zu dem auch die Herrschaft Freudenthal gehörte. In der Folge wechselten die Besitzer häufig, mehrfach verbunden mit kriegerischen Auseinandersetzungen. 1474 ging die Stadt in Flammen auf.
Unter den Hohenzollern
Am 14. Mai 1523 erwarb Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach aus dem Hause Hohenzollern das Herzogtum Jägerndorf von seinem bisherigen Besitzer Herzog Georg von Schellenberg für 58.900 ungarische Gulden. Georg führte schon bald die Reformation ein und säkularisierte unter anderem das Minoritenkloster, ohne auf Widerstand der Bevölkerung zu stoßen. Jedoch brüskierte er den ansässigen tschechischen Adel, indem er die wichtigen Ämter mit Deutschen besetzte und das Mährische Landrecht aufhob. Neben anderen Befestigungen zur Türkenabwehr ließ der Markgraf auch die Stadt Jägerndorf durch eine starke Stadtmauer und mächtige Stadttore schützen. Auch das Schloss Jägerndorf wurde in die Befestigungsanlagen einbezogen. Zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse wurden die Straßen der Stadt gepflastert. Als Markgraf Georg durch den Erwerb weiterer Besitzungen in Schlesien seine Macht ausweitete, stieß er auf den Widerstand der habsburgischen Herrscher. So konnte er für seine Nachfolge nur für Jägerndorf ein unbeschränktes Erbrecht durchsetzen. Unter seinem Sohn Georg Friedrich, der von 1557 bis 1603 Jägerndorf besaß, kam es 1570 durch die Einführung der tschechischen Sprache im Gerichtswesen gleichberechtigt neben dem Deutschen zu einer Befriedung des tschechischen Adels. Zwischen 1558 und 1564 setzten die Pest und zahlreiche Brände der Stadt erheblich zu. Da Georg Friedrich keine direkten Nachkommen hatte, vermachte er das Jägerndorfer Herzogtum dem Brandenburger Kurfürsten Joachim Friedrich. Dessen Sohn Johann Georg war Oberbefehlshaber der Truppen des pfälzischen „Winterkönigs“ Friedrich V., weshalb seine böhmischen Besitzungen nach der Schlacht am Weißen Berg vom Kaiser Ferdinand II. konfisziert wurden. Am 15. März 1623 übertrug der Kaiser das Herzogtum Jägerndorf seinem treuen Anhänger Karl I. von Liechtenstein, dem bereits seit 1613 das Herzogtum Troppau gehörte. Er vereinte die beiden Herzogtümer zum Herzogtum Troppau-Jägerndorf und führte die Rekatholisierung der Untertanen durch. Seine Nachkommen blieben bis zur Enteignung 1945 im Besitz ihrer böhmischen Ländereien.
Die regierende Herzöge aus dem Hause Hohenzollern waren:
Georg der Fromme (1541–1543), regierender Fürst von Ansbach und Kulmbach
Georg Friedrich (1539–1603), regierender Fürst von Ansbach und Kulmbach und Herzog von Preußen
Joachim Friedrich (1603–1606), auch Herzog von Preußen und Kurfürst von Brandenburg
Johann Georg (1606–1621), Herzog von Jägerndorf
Österreichisch-Schlesien
Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten und plünderten nacheinander die Dänen, Wallenstein und die Schweden die Gegend. Ein Großbrand zerstörte 1706 weite Teile von Jägerndorf, unter anderem auch das Minoritenkloster. 1740 berief sich der preußische König Friedrich II. auf alte hohenzollerische Rechte am Herzogtum Jägerndorf und nahm dies unter anderem zum Anlass, Schlesien zu erobern. Nach dem Vorfrieden von Breslau, der 1742 den Ersten Schlesischen Krieg beendete, blieb zwar das Herzogtum Jägerndorf bei Österreich, verlor allerdings Gebiete um Leobschütz und jenseits der Oppa an Preußen. Die Stadt Jägerndorf wurde zur Grenzstadt. Im Bayerischen Erbfolgekrieg kam es 1778 zwischen den Preußen und den Österreichern nahe der Stadt zum Scharmützel von Weißkirch.
Mit dem Aufbau der Zentralverwaltung für Österreichisch-Schlesien in Troppau verlor Jägerndorf ab 1793 stark an Bedeutung. Mit der Einführung der österreichischen Reichsverfassung von 1849 erlosch das Herzogtum Jägerndorf. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Jägerndorf jedoch zu einem bedeutenden Industriezentrum. Dies wurde begünstigt durch den Bau der Mährisch-Schlesischen Centralbahn, durch die die Stadt sowohl mit Breslau als auch mit der Nordbahn Wien–Krakau verbunden wurde. Außerdem kreuzte sich dort die Strecke mit der Oberschlesischen Bahn mit Verbindungen nach Ratibor in Schlesien und Olmütz in Mähren. Die Produkte der 27 Betriebe der Jägerndorfer Tuchindustrie waren weltberühmt. Ebenfalls Weltruf erlangte die Firma Rieger Orgelbau. Hinzu kamen mehrere Maschinenfabriken, darunter ein großes Webstuhl- und Webereimaschinenwerk.
Rudolf Heeger war Abgeordneter aus Jägerndorf im Prager Parlament
1918–1939
Einen Tag vor der Ausrufung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918 wurde die mehrheitlich deutsch besiedelte Stadt von der Tschechoslowakischen Armee besetzt. Mit der Etablierung der tschechoslowakischen Administration erhielt die Stadt die offizielle Ortsbezeichnung Krnov und wurde zum Verwaltungszentrum des gleichnamigen Bezirkes.
Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre führte zum Niedergang zahlreicher Betriebe der Stadt. Am 1. Dezember 1930 lebten dort 23.464 Einwohner, davon 90 Prozent Deutsche. Im Vollzug des Münchner Abkommens besetzten im Oktober 1938 deutsche Truppen die Stadt. Jägerndorf wurde Sitz des gleichnamigen Landkreises. Dieser wurde im April 1939 dem neu gebildeten Reichsgau Sudetenland unterstellt und unterstand dort dem Regierungsbezirk Troppau. Bis zur Volkszählung am 17. Mai 1939 hatte sich die Bevölkerungszahl auf 25.522 erhöht.
Synagoge (2018)
Nachdem die Juden im 16. Jahrhundert aus dem Troppau-Jägerndorfschen Gebiet ausgewiesen worden waren, hatten sich in Jägerndorf bis 1860 wieder 17 Familien angesiedelt, die einen Kultusverein bildeten, der um 1870 aus 55 Familien bestand.[2] Nach 1938 wurde die jüdische Gemeinde, die etwa 600 Mitglieder hatte, enteignet und zum Teil in Konzentrationslager verschleppt. Darunter befanden sich bedeutende Persönlichkeiten der Stadt wie die Textilhersteller Wilhelm und Jakob Bellak, die Textilhändler Geiringer und Schulhaber, der Erzeuger des Kräuterlikörs Altvater Siegfried Gessler, der Lehrer an der Staatsrealschule Siegmund Langschur, Ärzte und Juristen. Ungefähr 80 Prozent davon sind dem Holocaust zum Opfer gefallen, ein kleiner Teil konnte flüchten. Eine Rückübertragung ihres Besitzes nach dem Krieg gestaltete sich äußerst schwierig. Bei der Volkszählung 2001 bekannte sich in Krnov kein einziger Einwohner zur jüdischen Gemeinde.[3]
Ende des Zweiten Weltkriegs und danach
Im Jahr 1945 gehörte Jägerndorf zum Landkreis Jägerndorf im Regierungsbezirk Troppau im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Am 6. Mai 1945, zwei Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, besetzte die Rote Armee Jägerndorf. Nach dem Ende des Krieges kam die Stadt wieder zur Tschechoslowakei zurück. Nach Kriegsende gab es antideutsche Maßnahmen durch nationale tschechische Milizen und Revolutionsgarden. Im Juni wurde ein Teil der deutschen Einwohner in drei Lagern interniert und die Mehrzahl von ihnen bis zum Jahr 1946 nach Deutschland ausgewiesen.[4] Die Stadt wurde vor allem von Mährern, slowakischen Sinti und Roma und Bürgerkriegsflüchtlingen aus Griechenland neu besiedelt.
Demographie
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr
Einwohner
Anmerkungen
1834
05.456
(mit den Vororten) Einwohner sind katholische Deutsche[5]
Die aus dem Eisenbahnausbesserungswerk der Mährisch-Schlesischen Centralbahn hervorgegangene Firma Krnovské opravny a strojírny (KOS) (siehe auch Aliance TW) mit etwa 600 Mitarbeitern hat nach 2001 die Produktion von Straßenbahnen aufgenommen, aufbauend auf Typen von Tatra. Ein weiterer Betrieb ist der Getränkehersteller Santa nápoje, der unter anderem Kofola produziert.
In Krnov gab es ein Studienzentrum der Schlesischen Universität Opava, das 2016 geschlossen wurde.
Verkehr
Abfahrt eines Zuges am Bahnhof Krnov
Krnov liegt an der Troppau-Olbersdorfer Reichsstraße (heute I/57), welche vom polnischen Teil Schlesiens in die Slowakei führt. Nördlich der Stadt befindet sich der Grenzübergang Bartultovice. Durch die Stadt führt die Straße I/45 nach Leobschütz.
Der örtliche Busverkehr wird von Veolia Transport Morava betrieben.
Krnov befindet sich an der Bahnstrecke 310 von Troppau (Opava) nach Olmütz (Olomouc) und an der Strecke 292 über Bad Ziegenhals (Głuchołazy) nach Freiwaldau (Jeseník). Bis 1945 existierte ferner eine Bahnstrecke nach Leobschütz in Polen.
Sehenswürdigkeiten
Wallfahrtskirche der „Heiligen Mutter Gottes im Schmerz“
Schlösser und Burgen
Schloss der Herzöge von Jägerndorf, erneuert 1531
Ruine der Burg Cvilín (Burg Lobenstein) bei Úvalno
Kirchen und Synagoge
Heilig-Geist-Kirche, errichtet im 13. Jahrhundert, mit Siechenhaus, heute Orgelkonzerthalle
Pfarrkirche St. Martin, errichtet im 13. Jahrhundert
Katholisches Pfarramt am Kirchplatz, erbaut 1910 durch Baumeister Ernst Latzel
Minoritenkloster mit Kirche Jungfrau Mariae Himmelfahrt von 1722 und Kapelle
Wallfahrtskirche der Heiligen Mutter Gottes im Schmerz auf dem Burgberg, erbaut 1722
Friedhofskirche Erhöhung des heiligen Kreuzes, erbaut im 15. Jahrhundert
Evangelische Kirche, erbaut 1903
Synagoge mit Doppelturm, errichtet 1871 als größte Synagoge Nordmährens, am Tempelring; 1938 nicht zerstört, 2005 zum Teil restauriert.
Jüdischer Friedhof, seit 1873
Türme
Liechtensteinwarte (Cvilín), markanter Aussichtsturm mit einem Seitentürmchen auf dem Burgberg
Aussichtswarte auf dem Melzerberg bei Mösnig, neu erbaut durch die Nachfolge-Firma von Franz Irblich
Schulen
Salvatorianer-Kolleg Klösterle, unterhalb des Burgberges
Gymnasium, erbaut 1878
Ehemalige Kaiser-Franz-Josefs-Jubiläumsschule, erbaut 1909
Bürgerschule, erbaut 1883 von Baumeister Latzel
Staatliche Fachschule für Weberei, erbaut 1877
Gebäude der Tschechischen Schule an der Meierhofstraße, seit 1919
Öffentliche Bauten
Schützenhaus, erbaut 1907 nach Plänen von Leopold Bauer
Rathaus, erbaut 1903, angebaut die Sparkasse ab 1907. Das Rathaus ist baugleich mit dem 1889–1891 entstandenen Rathaus des Wiener Vorortes Währing, seit 1892 Bezirksamt des 18. Wiener Gemeindebezirks. Es wurde von Moritz und Carl Hinträger im Stil der deutschen Renaissance entworfen.
Krankenhaus, erbaut 1930
Turnhalle, erbaut 1930 nach Plänen von Leopold Bauer
Stadttheater
Villen
Palast Silesia des Textilhändlers Geiringer & Reitler
Villa Bellak
Villa Steuer (Textilfabrikant), jetzt Museum
Villa Cerhak, jetzt Forstverwaltung
Villa Larisch, jetzt Bankhaus
Villa Gessler
Villa Florian Schmidt, jetzt Stadtbücherei
Villa Chlupacek
Villa Bloch (Textilhändler)
Villa Flemmig (Textilfabrikant)
Waldschloss Mösnig, ehemals Hotel, erbaut von Josef Irmler (heute Lungenheilstätte)
Arbeiterheim = Gewerkschaftshaus, heute Kino „MÍR“
Schulhaberhaus, Rathausplatz
Pavillon des früheren Eislaufplatzes
Stadtmauer (Teilstücke) Schwedenmauer genannt, neben dem Gymnasium – im Schlosshof – auf der Ostseite des Minoritenklosters, neben der Synagoge
Villa Kandler/Mükusch (Kunstmühlenbetrieb)
Poliklinik, früher Krankenkasse
Denkmale
Denkmal für Leopold Bauer neben dem Rathaus seit 1999
Ansbach in Bayern ist seit dem 14. Juli 1954 Patenstadt für Jägerndorf. Die Patenschaft entstand aus der alten geschichtlichen Verbindung und aus den Bemühungen Bayerns, die Sudetendeutschen wirtschaftlich, kulturell und sozial einzugliedern. In den in Ansbach eingerichteten „Jägerndorfer Heimatstuben“ sind in sechs Räumen Exponate aus der Geschichte des Herzogtums Jägerndorf zu besichtigen. Im Kulturzentrum der Stadt Ansbach befindet sich das Stadtarchiv, in welchem auch das „Jägerndofer Heimatarchiv“ eingeordnet ist.
Bürgermeister der Stadt
1850 bis 1864 Franz Florian Göbel (1802–1873) Abgeordneter
1864 bis 1872 Alois Larisch Fabrikant Textilien, Firmengründer
1872 bis 1879 Franz Goldemund
1879 bis 1882 Emil Hirsch
1882 bis 1885 Franz Goldemund
1885 bis 1900 Emil Hirsch
1900 bis 1903 Otto Rieger, jun. (1880–1920) Orgelbauer
1903 bis 1919 Johann Kienel (1854–1945) Fabrikant
1919 bis 1924 Johann Trenka
1924 bis 1934 Richard Andratschke (1873–1953)
1934 bis 1938 Ernst Richter
1938 bis 1940 Oskar König
1940 bis 1945 Otto Just
1945 Mai/Juni Kurt Nießner, von der sowjetischen Militärverwaltung eingesetzter deutscher, aus dem Ausland zurückgekehrter Antifaschist.
1960? bis 1970 Josef Bača
1970 bis 1981 František Ivánek
1981 bis 1990 Jaroslav Vrzal († 2008)
1991 bis 1998 Bedřich Marek
1999 bis 2006 Josef Hercig
2007 bis 2010 Renata Ramazanová
2011 bis 2014 Alena Krušinová
2015 bis 2018 Jana Koukolová-Petrová
ab 2019 Tomas Hradil
Persönlichkeiten
Ehrenbürger der Stadt
Matthias Thiel, Stadtkaplan; 1861
Carl Giskra (1820–1879), 1867–1870 österr. k.k. Minister des Innern; 1869
Ignaz von Plener (1810–1908), österr. k.k. Handelsminister; 1869
Max Machanek, Generaldirektor der Mährisch-schlesischen Zentraleisenbahn; 1870
Josef Heinrich, Stadtpfarrer; 1872
Alexander Freiherr von Summer, Landespräsident des österr. Herzogtums Ober- und Niederschlesien
Josef Wünsch, Realschuldirektor, Obmann des Verschönerungsvereins; 1895
Emil Hirsch, 18 Jahre Bürgermeister; Bau der Wasserversorgung; 1900
Fanni Titze, Gastwirtin, Wohltäterin; 1905
Johann Kienel (1854–1945), 16 Jahre Bürgermeister, Wohltäter; 1914
Heinrich Graf Larisch von Moennich (1850–1918), schlesischer Landeshauptmann; 1917
Richard Andratschke, Bürgerschuldirektor, 10 Jahre Bürgermeister; 1933
Rudolf Bastl von Bastlingen, Oberrat, 20 Jahre Bezirkshauptmann (letzter deutscher); 1934
Tomáš Garrigue Masaryk (1850–1937), erster tschechoslowakischer Staatspräsident; 1935; aberkannt 1938
Anton Philieb, Retter der Burgbergkirche, Ehrengrab am Stadtfriedhof
Gabriel Quesker, Retter der Burgbergkirche, Ehrengrab am Stadtfriedhof
Herman Schmidt, Retter der Burgbergkirche, Ehrengrab am Stadtfriedhof
Michael Weiss, Retter der Burgbergkirche, Ehrengrab am Stadtfriedhof
Söhne und Töchter der Stadt
Paul von Jägerndorf († 1377), von 1352 bis 1359 Bischof von Gurk und von 1359 bis 1377 Fürstbischof von Freising
Anna Maria von Brandenburg-Ansbach (1526–1589), Herzogin von Württemberg
Adam Francisci (1540–1593), Magister, ab 1577 in Ansbach als Generalsuperintendent, Rektor der Fürstenschule
Poldi Mildner (1913–2007) Pianistin und Klavierpädagogin
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
Faustin Ens: Das Oppaland, oder der Troppauer Kreis, nach seinen geschichtlichen, naturgeschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlichkeiten. Band 4: Ortsbeschreibungen der Fürstenthümer Jägerndorf und Neisse österreichischen Antheils und der Mährischen Enclaven im Troppauer Kreise, Wien 1837, S. 43–51.
Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 178–181.
Gottlieb Biermann: Geschichte der Herzogthümer Troppau und Jägerndorf. Prochaska, Teschen 1874 (Digitalisat)
Ernst Bednara: Jägerndorf. Sein Name und die Herkunft der ersten Bürger. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens. Band 74 (1940), S. 95–107 und 348–349.
Heinrich Schulig: Ein Heimatbuch für die Bezirke Jägerndorf und Olbersdorf. Herausgegeben vom Jägerndorfer Bezirkslehrerverein. Adolf Drechsler, Troppau 1923.
Jiří Kejř: Počátky města Krnova. MNV, Krnov 1968.
Ladislav Zapletal, Vladimír Blucha: Krnov. Historie a geografie města. Měst. NV, Krnov 1969.
Odila Hohn: Jägerndorf, Lobenstein, Braunsdorf in Wort und Bild. Burgberg-Verlag, Grettstadt 1981.
Ernst Kober: Jägerndorfer Ländchen. Neue Folgen: 1951–1963. Burgberg-Verlag, Grettstadt 1997 (=Nachdr. der Beilagen zum Jägerndorfer Heimatbrief).
Jan Galgánek: Zelené město Krnov po deseti letech: zpráva o životním prostředí města Krnova. Iniciační skupina MA 21 Krnov, Krnov 2005.
Vladimír Blucha: Město mezi dvěma řekami: čtení o pozoruhodné historii města zvaného Kyrnow, Jegerdorf, Carnovia, Jägerndorf, Karniów, Krnov. Město Krnov, Krnov 2007.
Jaromír Balla: Krnov: v podhůří Jeseníků. Advertis, Krnov 2008.
Jaromír Balla: Brantická vrchovina. Krnov a okolí. Advertis, Krnov 2011.
Eva Marková, Renata Ramazanová, Martin Bodešínský: Krnov: průvodce městem. Město Krnov, Krnov 2014.
Christian Fastl: Jägerndorf. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.
Weblinks
Commons: Krnov– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wilhelm Turnwald: Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen. 1951, Jägerndorf: S. 203, 269, 282, 341, 372, 505. & Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte Hg., Fritz Valjavec (Materialsammlung): Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Band 4, 1 & 2 von Dokumentation zur Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Bonn 1957; zuletzt Weltbild, Augsburg 1994 ISBN 3-89350-560-1. Zum Charakter des Werks siehe Lemma des Ministeriums. Über Jägerndorf Bd. 1: S. 10, 15f, 19, 22f, 80, 90, 106, 110; Bd. 2: S. 3ff, 214, 216, 219f, 222, 226, 363f, 366ff, 370f, 373, 455ff.
Faustin Ens: Das Oppaland, oder der Troppauer Kreis, nach seinen geschichtlichen, naturgeschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlichkeiten. Band 4: Ortsbeschreibungen der Fürstenthümer Jägerndorf und Neisse österreichischen Antheils und der Mährischen Enclaven im Troppauer Kreise, Wien 1837, S. 47.
Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 10, Leipzig und Wien 1907, S. 146.
Michael Rademacher:Landkreis Jägerndorf.Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006.In:treemagic.org.Abgerufen am 1.Januar 1900
Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland Helmut Preißler Verlag-Nürnberg. 1987. ISBN 3-925362-47-9.
Österreichisches Musiklexikon, IKM, Abt. Musikwissenschaft Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:Musiklexikon.Abgerufen am 30.Juli 2016.
Rudolf Hemmerle:Sudetenland Lexikon. Hrsg.: Adam Kraft Verlag. 2. Auflage. Band4, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S.215.
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