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Dieser Artikel beschreibt die elsässische Stadt Bischheim. Zur gleichnamigen rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde siehe Bischheim (Donnersberg). Siehe auch:Bischheimer Kultur.
Die Stadt liegt am Fluss Ill und am Rhein-Marne-Kanal. Bischheim ist ein nördlicher Vorort von Straßburg; bis zum Münster im Zentrum sind es vier Kilometer. Es besteht eine Nahverkehrsverbindung mit der Straßenbahnlinie B.
Die volksetymologische Erklärung des Dorfnamens als 'Heim/Ort des Bischofs' ist unwahrscheinlich. Im Mittelalter war die Nutzung des Wortes ,Bischof' als Funktionsbezeichnung untypisch – wenn, dann hätte man den Namen des konkreten Bischofs gewählt, der den Ort gegründet, erworben oder mit Rechten ausgestattet hatte. Da, der Legende nach, Bischoffsheim von Chlodwig an den Heiligen Remigius übertragen worden sein soll, hätte es etwa eine Namengebung wie beispielsweise bei der analogen Schenkung Remigiusberg gegeben.
Die Ortslage an einem Berg legt eine andere Erklärung für den Ortsnamen nahe. Sie folgt der vaskonischen Hypothese. Der Münchner Sprachwissenschaftler Theo Vennemann, der diese Hypothese vertritt, verweist darauf, dass existierende Toponyme (Ortsnamen) in der Regel von Neueinwanderern übernommen werden (sprachliches Substrat). Eine auffallende Häufung ähnlicher Namen bei jeweils ähnlicher Geographie wäre demnach ein Indikator für ein existierendes Wort in einer früheren Besiedlungsphase. Die Häufung von „Bischofs-“ Ortsnamen auf jeweils langgezogenen Bergrücken legt die Vermutung nahe, dass dies auch hier der Fall gewesen sein könnte (wobei es sich im Einzelfall natürlich dennoch immer um einen Zufall oder eine andere Herleitung handeln kann). Die vaskonische Hypothese geht von einer alteuropäischen Sprache aus, deren letztes existierende Relikt das Baskische ist. Dort gibt es das Wort „bizkar“, das „Bergrücken“, langgestreckte Anhöhe in den Bergen' bedeutet.
Falls diese Erklärung stimmen sollte, würde dies darüber hinaus bedeuten, dass die Besiedlung der Region in alteuropäscher Zeit erfolgt war. Demnach wäre das Gebiet des heutigen Ortes Bischoffsheim bereits vor der indoeuropäischen Landnahme bewohnt gewesen, also vor dem dritten vorchristlichen Jahrtausend.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Bischheim eine Simultankirche, eine Synagoge, eine Eisenbahn-Reparaturwerkstätte, eine Bierbrauerei, eine Mälzerei, Stärke-, Seiden- und Konservenfabrikation sowie Ziegel- und Kalkbrennerei.[2]
Demographie
Bevölkerungsentwicklung bis 1919
Jahr
Einwohnerzahl
Anmerkungen
1821
2088
davon 956 Evangelische, 432 Katholiken, sechs Reformierte, 682 Juden und 14 Täufer[1]
Wappenbeschreibung: In Blau ein rotgezungter aufgerichteter silberner Ziegenbock.
Protestantische KircheRathaus
Sehenswürdigkeiten
„Englischer Hof“ oder „Engländerhof“ (Château (de la Cour) d’Angleterre), denkmalgeschütztes Schloss mit Gartenanlage der Familie De Dietrich (1751), nicht zu besichtigen[7]
Protestantische Kirche (Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert, Kirchenschiff aus dem 18. Jahrhundert; Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, darunter denkmalgeschützte Orgel; Glasfenster von Joseph Ehrismann)
Kirche St. Laurentius (Saint-Laurent; neugotisch, frühes 20. Jahrhundert)
Cour des Boecklin („Boeckelshof“) mit Mikwe aus dem 18. Jahrhundert (Monument historique)[8]
Jüdischer Friedhof, 1797 angelegt
Rathaus (hôtel de ville), ehemalige Prachtvilla eines Großunternehmers (1890)
Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Bischheim
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Adolf Riff (* 29. Juni 1850; † 15. Mai 1929 in Straßburg), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags
René Louis Becker (* 7. November 1882; † 28. Januar 1956 in Dearborn, Michigan), Komponist, Organist und Pianist
Eduard Beck (* 29. April 1884; † 15. Dezember 1966), deutscher Heraldiker, Genealoge und Verwaltungsjurist
François Gangloff (1898–1979), Turner
Marguerite Kuczynski (* 5. Dezember 1904; † 15. Januar 1998 in Berlin), Wirtschaftswissenschaftlerin und Übersetzerin
Jean Wendling (* 29. April 1934), Fußballnationalspieler
Personen, die vor Ort gewirkt haben
Cerf Beer (* um 1726 in Medelsheim; † 7. Dezember 1793 in Straßburg), Vorkämpfer für die jüdische Emanzipation, heiratete nach Bischheim und lebte hier
David Sinzheim (* 16. November 1745 in Trier; † 11. Februar 1812 in Paris), Rabbiner in Straßburg, wirkte ab 1785 in Bischheim
Maximilien de Ring (* 27. Mai 1799 in Bonn; † 5. März 1873 in Bischheim), Archäologe, Historiker, Landschaftsmaler und Zeichner, starb in Bischheim
Jakob Ignatius Simonis (* 12. März 1831 in Ammerschweier; † 11. Februar 1903 in Oberbronn), katholischer Pfarrer in Bischheim, Professor und Reichstagsabgeordneter
Adolf Ury (* 14. Juni 1849 in Niederbronn; † 24. August 1915 in Straßburg), Oberrabbiner und Landtagsabgeordneter, besuchte in Bischheim die Jüdische Gemeindeschule
Johann Adam Rüppel (* 13. Januar 1864 in Weibersbrunn; † 1. Januar 1930 in Stockstadt am Main), Baumeister und Architekt, baute 1909/10 die Pfarrkirche in Bischheim
Dionysius Will (* 8. September 1867 in Landersheim; † 23. Juli 1912 in Hœnheim), katholischer Geistlicher und Mitglied des Deutschen Reichstags, war Vikar in Bischheim
Otto Bender (* 17. Dezember 1897 in Eichtersheim; † 27. Mai 1988), Politiker (NSDAP), ab 1940 Chef der Zivilverwaltung in Bischheim
Cédric Stoll (* 6. April 1982 in Schiltigheim), Fußballspieler, spielte bei FC Soleil Bischheim
Johann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Band 2, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 372.
Lexikoneintrag zu Bischheim, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 903.
Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 6.
Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts Universitäts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 5, Ziffer 54.
Bischheim, Elsaß-Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Bischheim.
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