Neupetershain, niedersorbischNowe Wiki, ist eine Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Land Brandenburg und Teil des Amtes Altdöbern. Sie gehört zum amtlichen Sorbischen Siedlungsgebiet.
Lage der Gemeinde Neupetershain im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Karte
Geografie
Neupetershain liegt in der Niederlausitz im Lausitzer Seenland sowie im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Umliegende Gemeinden sind Drebkau, Welzow, Altdöbern, Neu-Seeland und Großräschen.
Gemeindegliederung
Zur Gemeinde Neupetershain gehören der bewohnte Gemeindeteil Neupetershain-Nord (Wiki) und die Wohnplätze Geisendorf (Gižkojce), Greschmühle (Grěšowy Młyn) und Neu-Geisendorf (Nowe Gižkojce).[2]
Die Gemeinde besteht aus drei Ortslagen, dem ursprünglichen Dorf Petershain (heute Neupetershain Nord), der 1905 gegründeten Industriegemeinde Neupetershain und aus Neu Geisendorf. Letztere entstand durch die bergbaubedingte Devastierung und Umsiedlung des Dorfs Geisendorf.
Geschichte
Neupetershain-Nord (Petershain)
→ Hauptartikel: Neupetershain-Nord
Der Ursprung der Gemeinde liegt im Dorf Petershain (sorbisch Wiki), welches heute die Ortslage Neupetershain Nord bildet. Der sorbisch/wendische Ortsname Wiki ist mit Markt bzw. Getreidemarkt zu übersetzen. In der Meißener Bistumsmatrikel des Jahres 1346 wurde eine Mutterkirche in Petershain, innerhalb des Sedes Spremberg genannt. Dieser Eintrag stellt die Ersterwähnung des Orts dar. Die Besiedelung erfolgte im Zusammenhang der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung.
Neupetershain
Man kann davon ausgehen, dass der Ort Neupetershain ohne die 1870 erfolgte Eisenbahnanbindung der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus wohl kaum entstanden wäre.
Nach dem Entschluss, zwischen Großenhain, Senftenberg und Cottbus eine Eisenbahnverbindung zu bauen, wurden in gleichmäßigen Abständen Bahnhöfe für die jeweils umliegenden Dörfer vorgesehen. So kam es, dass zwei Kilometer entfernt vom ursprünglichen Petershain der Bahnhof mitten im Walde errichtet wurde.
Am Mittwoch, den 20. April 1870, wurde die Eisenbahnlinie mit der Bahnstation Petershain eröffnet.
Im Calauer Amtsblatt vom 4. September 1904 wurde der Beschluss des Kreisausschusses Calau vom 8. Juni 1904 veröffentlicht: In Erwägung, dass infolge des raschen Emporblühens zahlreicher Ansiedlungen – Fabriken, Hüttenwerke und Wohngebäude – am Bahnhof Petershain in einer erheblichen Entfernung vom Orte Petershain ein neuer und mit dem Orte Petershain in nur sehr geringer Beziehung stehender Komplex von Wohn- und Arbeitsstätten entstanden ist, in welchem bereits 214 Haushaltungen mit 1085 Seelen sich niedergelassen haben, …beschließt der Kreisausschuss: Die neue Gemeinde mit dem Namen „Neu Petershain“ soll mit dem 1. April 1905 als entstanden gelten.
Die ersten betrieblichen Niederlassungen am Bahnhof erfolgten 1891 mit dem Bau einer Dampfziegelei durch den Gutsherren von Petershain.
Die Firma Niederlausitzer Glashüttenwerke wurde 1896 durch den Inhaber Adolf Müller, Maximilian Hoffmann und Anton Held gegründet. Letztere waren es auch, die die ersten Mehrfamilienhäuser bauen ließen. Der Bau weiterer Glashütten war in Vorbereitung. Von 1957 bis 1960 wurde die katholische Kirche St. Elisabeth und Hl. Geist erbaut, sie war nach der heiligen Elisabeth von Thüringen und dem Heiligen Geist benannt und wurde am 11. September 2016 durch Bischof Wolfgang Ipolt profaniert.[3][4]
Neu Geisendorf
Die Ortslage entstand als Neugründung des abgerissenen Dorfs Geisendorf (sorbisch Gižkojce). Dieses Dorf befand sich östlich von Neupetershain und musste dem vorrückenden Tagebau Welzow-Süd weichen. Während das Gutsgebäude am alten Standort verblieb, restauriert wurde und als Kultur- und Begegnungszentrum des Vattenfall-Konzerns überregionale Bedeutung erlangt hat, wurden die Dorfbewohner nach Neupetershain umgesiedelt. 2001 wurde auf einer Ackerfläche am Nordrand der Ortslage von Neupetershain eine vollkommen neu errichtete Siedlung von den Geisendorfern bezogen. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Umgestaltung eines dort befindlichen ehemaligen Wasserturms zu einem Bürgertreff.
Verwaltungsgeschichte
Neupetershain gehörte 1817–1952 zum Landkreis Calau (bis 1947 in der preußischen Provinz Brandenburg, 1947–1952 im Land Brandenburg). 1952–1993 war die Gemeinde Teil des Kreises Calau (bis 1990 im DDR-Bezirk Cottbus, 1990–1993 wieder im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform 1993 liegt sie im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr
Einwohner
1875
0383
1890
0425
1910
2404
1925
2678
1933
3085
1939
3238
Jahr
Einwohner
1946
3657
1950
3822
1964
3060
1971
2843
1981
2401
1985
2266
Jahr
Einwohner
1990
2105
1995
1940
2000
1827
2005
1613
2010
1433
2015
1254
Jahr
Einwohner
2016
1229
2017
1196
2018
1191
2019
1196
2020
1204
2021
1223
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[5][6][7], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011
Politik
Rathaus Neupetershain
Gemeindevertretung
Die Gemeindevertretung von Neupetershain besteht aus zehn Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[8]
2000–2016: Wolfgang Müller (Wählergruppe „JA“ Neupetershain)[10]
seit 2016: Marita Theile (Wählergruppe „JA“ Neupetershain)[10]
Theile wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 90,4% der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[11] gewählt.[12]
Wappen
Das Wappen wurde am 17. Mai 2006 genehmigt.
Blasonierung: „Gespalten und schräglinksgeteilt von Rot und Gold; alles in verwechselten Farben: oben zwei schräglinke Glasmacherpfeifen, überdeckt im vorderen Feld von einem silbernen Glaskelch, unten eine schräglinke Sichel, deren silberne, nach oben zeigende Schneide eine Kornähre im hinteren Feld überdeckt.“[13]
Sehenswürdigkeiten
Dorfkirche Neupetershain-Nord
In der Liste der Baudenkmale in Neupetershain und in der Liste der Bodendenkmale in Neupetershain stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.
Dorfkirche Neupetershain-Nord, Feldsteinkirche aus der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts mit Altar aus der Zeit um 1700
Verkehr
Neupetershain liegt an der Bundesstraße 169 zwischen Senftenberg und Cottbus.
Haltepunkt Neupetershain
Der Haltepunkt Neupetershain liegt an der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus. Es verkehren Züge der Regionalexpresslinie RE 18 Cottbus–Dresden und der Regionalbahnlinie RB 49 Falkenberg (Elster)–Cottbus.
Von Neupetershain zweigte früher die Bahnstrecke Neupetershain–Hoyerswerda ab. Der Personenverkehr wurde 1961 eingestellt.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Johannes Choinan (1616–1664), sorbischer Sprachforscher, in Petershain geboren
Margarete Müller (1921–2011), Politikerin (SED), in Petershain geboren
Eduard Wittmann (1845–1924), erster Bürgermeister des Ortes. Eine Straße des Ortes trägt seinen Namen.
Adolf Müller (1856–1924), kam als Glashüttenbesitzer aus Weißwasser und arbeitete als Kompagnon von M. Hoffmann beim Aufbau der Glashütten
Adolph von Rechenberg (1857–?), leitete als Bergwerksbesitzer die Grube und Brikettfabrik Mariannenglück sowie das Geisendorf-Kauscher Werk und errichtete die Brikettfabrik „Volldampf“ in Merkur mit dem Tagebau Görigk Er baute 1895 die erste Villa im Ort mit dem weithin sichtbaren Sinnspruch „IM HEIM DIE WELT“.
Wilhelm Weise (1859–1914), war der erste Arzt des Ortes mit hohem Ansehen in der Bevölkerung. Eine Straße des Ortes trägt seinen Namen. In seiner Villa wohnte später die Schriftstellerin Budniok.
Anton Held (1862–1938), Glashüttenbesitzer, nach dem Ausscheiden von Hoffmann aus dem Betrieb Müller, Hoffmann & Co. im Jahre 1912 wurde der Betriebsname in Müller & Held geändert.
Robert Berger (1865–1940), organisierte ab 1899 den ersten großen Fuhrbetrieb zunächst mit Pferdefuhrwerken. Mehrere Söhne haben sein Unternehmen in späteren Jahren in den verschiedenen Transportbranchen mit hochwertigen Fahrzeugen weitergeführt.
Josef Rolke (1865–1945), übernahm 1911 die kleine Metallwarenfabrik der Firma Blymer und Behls. Seine Firma spezialisierte sich auf Maschinen für die Glasindustrie, die teilweise durch eigene Patente geschützt waren.
Martin Putzler (1866–1938), baute mit anderen Partnern seine Tafelglashütte für die Herstellung von mundgeblasenem Glas. Er ließ für seine Belegschaft mehrere Häuser bauen.
Maximilian Hoffmann (1871–1950), hatte wesentlichen Einfluss auf die Entstehung des Ortes, war an der Gründung aller Glashütten in Neupetershain beteiligt und kümmerte sich außerordentlich um die sozialen Belange der Einwohner
Richard Koppelt (1871–1950), übernahm mit seinem kleinen Betrieb für alle umliegenden Glashütten die Schmiede-, Schlosser- und Maschinenbauarbeiten
Max Müller (1878–1949), wichtigster Bauunternehmer in der Gründerzeit des Ortes, betrieb eine Baumaterialienhandlung und ein Sägewerk
Fritz Müller (1880–1930), organisierte den Glasexport unter dem Slogan Berlin-Hamburg-Neupetershain für die Glashüttenwerke „Müller & Held“. In sein Herrenhaus zogen 1933 die Ordensschwestern „Mägde Mariens von der unbefleckten Empfängnis“ aus Poremba ein.
Hinrich Asendorf (1883–1929), leitete die erste Gasfabrik des Ortes ab 1907 und organisierte den Bau der Straßenbeleuchtung
Werner Müller (1903–1948), Sohn von Max Müller, Architekt des örtlichen Wasserturmes
Dorothea Renata Budniok (1919–1989), Schriftstellerin. Bedeutende Bücher waren die historischen Romane „Verschwörung am Vesuv“ (1970) und „Aufstand in Sizilien“ (1979), die Jugendbücher „Verschollen auf der Langusteninsel“ (1971) und „Das Mädchen von Perpignan“ (1973) sowie der Kriminalroman „Aber die Steine schweigen nicht“ (1980).
Literatur
Udo Kittan – Neupetershain, Aus der Dorfgeschichte von Petershain in 16 Blättern, Eigenverlag (Geschichte des ursprünglichen Dorfs Petershain, gegliederte in verschiedene Themenbereiche).
Joachim Schneider – Welzow/Dresden, Neupetershainer Blätter in über 50 Seiten, Eigenverlag (Wichtige Ereignisse, bedeutende Persönlichkeiten und Gebäude von Neupetershain).
Horst Kittan, Die Russen kommen – Eine Dorf- und Familiengeschichte, Regia-Verlag 2009 (Kindheitserinnerungen des Autors während des Zweiten Weltkrieges) ISBN 978-3-86929-009-6.
Geisendorf-Report, Zur Geschichte eines Dorfes im Lausitzer Braunkohlenrevier, Herausgegeben von der Braunkohle-Aktiengesellschaft, Redaktion und Text: Klaus Trende, ALFA-Verlag, Cottbus 2002, ISBN 3-935513-04-6.
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
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