Będzin [ˈbɛɲʥin], (deutschBendzin, auch zeitweise Bendsburg, Bandin, Bendin) ist eine Stadt an der Schwarzen Przemsa in Polen in der Woiwodschaft Schlesien.
Będzin liegt etwa 65km nordwestlich von Krakau und 10km nordöstlich von Katowice im nordöstlichen Teil des Oberschlesischen Industriegebiets. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine oberschlesische Stadt, sondern sie liegt in östlich davon gelegenem historisch-kleinpolnischen Zagłębie Dąbrowskie (Dombrowaer Kohlebecken).
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Będzin besteht aus folgenden Stadtteilen:
Śródmieście; die Innenstadt von Będzin
Małobądz; Stadtteil seit 1915
Gzichów; seit 1915
Warpie
Ksawera; seit 1923
Łagisza; seit 1973
Grodziec; seit 1975
Geschichte
Erste Ansiedlungen gab es an der Stelle des heutigen Będzin bereits im 9. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurde auf einem Hügel eine Burg errichtet, in deren Schutz eine Siedlung entstand. Der Ort samt Burg wurde 1241 (evtl. auch erst 1259) von den Tataren zerstört. Spätestens im Jahr 1349 erhielt der Ort das Stadtrecht nach polnischem Recht. Am 5. August 1358 erhielt die Stadt von König Kasimir III. dem Großen das Stadtrecht nach Magdeburger Recht. Im selben Jahr begann der Bau einer steinernen Burg, die die polnisch-schlesische Grenze damals an der Schwarzen Przemsza schützte (entgegen das Herzogtum Teschen bzw. Herzogtum Siewierz am westlichen Ufer, das 1443 von Krakauer Bischöfen abgekauft wurde).
Administrativ gehörte die Stadt zum Kreis Proszowski bzw. Krakowski der Woiwodschaft Krakau. Um 1600 gehörte Będzin zu den 14 Städten in der Woiwodschaft mit der größten jüdischen Bevölkerung (siehe Schtetl).[3]
Infolge der Dritten Teilung Polens wurde Będzin in Neuschlesien Teil Preußens, die Burg und die Güter der Stadt wurden Eigentum der Hohenzollern. 1807 wurde der Ort Teil des Herzogtums Warschau und 1815 durch die Bestimmungen des Wiener Kongresses Stadt im Königreich Polen, dessen König der jeweilige Zar Russlands war.
Ende des 18. Jahrhunderts bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in der Gegend um Będzin Steinkohle entdeckt. Damit änderte sich das Bild der Stadt und wurde nun vom Bergbau und der Zementindustrie geprägt. Die Zugverbindung Warschau–Wien bescherte dem Ort 1859 Anschluss an das Schienennetz. Es gibt zwei Haltestellen, Będzin und Nowy-Będzin.
Um 1860 wurde die erste öffentliche Schule eingeweiht. Sieben Jahre später entstand der Powiat Będziński und Będzin wurde Kreisstadt.
Am 4. September 1939 wurde Będzin beim Überfall auf Polen von der deutschen Wehrmacht besetzt und völkerrechtswidrig in das Deutsche Reich eingegliedert. Es wurde Sitz eines deutschen Landrates im neuen „Ostoberschlesien“ zugeordnet und wenig später in Bendsburg umbenannt.
Siehe dazu auch die Biografie eines der Amtsträger: Udo Klausa, Landrat Mai 1940 bis November 1942 (sog. reichsdeutscher Landkreis Bendsburg)
Es entstand vor Ort ein großes Juden-Sammellager im Rahmen der deutschen Verfolgungsmaßnahmen in der Shoah.
Ab 1950 bis 1998 gehörte es zur Woiwodschaft Katowice.[4] 1956 wurde der Wiederaufbau des zerstörten Schlosses abgeschlossen.
Będzin gehörte historisch gesehen unstreitig dem Gebiet Kleinpolen an, nach der Verwaltungsreform im modernen Polen 1999 wurde es Teil der Województwo śląskie (Woiwodschaft Schlesien). Um kleinpolnische Gebiete des Oberschlesischen Industriegebiets von schlesischen zu unterscheiden, wird die Gegend um Będzin gelegentlich auch als Zagłębie Dąbrowskie (Dombrowaer Kohlebecken) bezeichnet.
Zum 1. Januar 1973 wurde die Stadt Łagisza Będzin angegliedert.[5]
Jüdische Gemeinde
Stadtansicht von Będzin zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Vordergrund rechts die Synagoge
Die Stadt hatte damals eine der größten jüdischen Gemeinden Kleinpolens mit (1940) 24.495 Mitgliedern.[6] Am 8. September 1939 wurden zahlreiche jüdische Bewohner der Stadt durch eine SS/SD-Einsatzgruppe in die große Synagoge getrieben, die dann mit ihnen in Brand gesteckt wurde. Dabei starben über 40 Menschen. Von Juli bis August 1943 wurde das Ghetto durch die deutschen Besatzer geräumt und die jüdischen Bewohner ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert.[7] Dort waren später in der Vorbereitung und Durchführung des Aufstandes des Sonderkommandos gegen die SS-Bewacher auch die Bewohner Będzins wie Rózia Robota, Ala Gertner, Regina Safirsztajn, Ester Wajcblum und mindestens sieben weitere namentlich bekannte Männer beteiligt.[8]
Siehe auch: Neuer Jüdischer Friedhof (Będzin)
Politik
Stadtpräsident
An der Spitze der Verwaltung steht der Stadtpräsident. Seit 2010 ist dies Łukasz Komoniewski, der der SLD angehört, aber für sein eigenes Wahlkomitee antritt. Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 brachte folgendes Ergebnis:[9]
Łukasz Komoniewski (Wahlkomitee Łukasz Komoniewski) 65,2% der Stimmen
Marcin Lazar (Wahlkomitee Marcin Lazar) 19,3% der Stimmen
Arkadiusz Grabowski (Prawo i Sprawiedliwość) 15,5% der Stimmen
Damit wurde der Amtsinhaber Łukasz Komoniewski bereits im ersten Wahlgang für eine weitere Amtszeit gewählt.
Stadtrat
Der Stadtrat von Będzin besteht aus 23 Mitgliedern. Die Wahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:[10]
Wahlkomitee Łukasz Komoniewski 40,9% der Stimmen, 11 Sitze
Wahlkomitee „Zusammen für Będzin“ 21,5% der Stimmen, 5 Sitze
Wahlkomitee Wahlkomitee Marcin Lazar 20,7% der Stimmen, 4 Sitze
Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 16,9% der Stimmen, 3 Sitze
Verkehr
Die Stadt hat drei Haltestellen an der Bahnstrecke Warszawa–Katowice. Im ÖPNV besteht eine Anbindung an das Netz der Oberschlesischen Straßenbahn.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Hermann Nunberg (1884–1970), Psychiater, Psychoanalytiker und Schüler Sigmund Freuds
Władysław Dobrowolski (1896–1969), Fechter und Leichtathlet
Aleksander Zawadzki (1899–1964), polnischer kommunistischer General und Politiker
Jean-Marie Lustiger (1926–2007), römisch-katholischer Erzbischof
Rutka Laskier (1929–1943), KZ-Häftling
Adam Śmigielski (1933–2008), Bischof
Janusz Gajos (* 1939), Schauspieler
Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben
Alfred Roßner (1906–1943), deutscher Unternehmer und Judenretter
Literatur
Mary Fulbrook: A small town near Auschwitz. Ordinary Nazis and the Holocaust. Oxford University Press 2012, ISBN 978-0-19-960330-5.[11]
deutsche Ausgabe: Eine kleine Stadt bei Auschwitz. Gewöhnliche Nazis und der Holocaust. Klartext Verlag 2015, ISBN 978-3-8375-0980-9.
Shlomo Netzer: Będzin, in: Encyclopedia of the Holocaust, 1990, S. 157–159
Będzin, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem: Yad Vashem, 2009 ISBN 978-965-308-345-5, S. 23–29
Weblinks
Commons: Będzin– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Website der Stadt, Prezydent Miasta (Mementodes Originals vom 24. Februar 2015 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bedzin.pl, abgerufen am 24. Februar 2015.
Henryk Rutkowski (Redakteur), Krzysztof Chłapkowski:Województwo krakowskie w drugiej połowie XVI wieku; Cz. 2, Komentarz, indeksy. Institute of History of the Polish Academy of Sciences, 2008, S.75 (polnisch, Online).
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