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Herbede ist mit einer Fläche von rund 24 km² der größte Stadtteil von Witten. Er liegt ca. 5 km südwestlich des Wittener Stadtzentrums linksseitig der Ruhr am Rande des Rheinischen Schiefergebirges und des Kemnader Sees. Den Ortskern bildet die Einkaufsstraße Meesmannstraße.

Herbede
Stadt Witten
Wappen von Herbede
Wappen von Herbede
Fläche: 23,97 km²[1]
Einwohner: 13.049 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 544 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahlen: 58452, 58456
Vorwahlen: 02302, 02324
Meesmannstraße (bis 1975 Hauptstraße), Herbeder Fußgängerzone
Meesmannstraße (bis 1975 Hauptstraße), Herbeder Fußgängerzone
Meesmannstraße (bis 1975 Hauptstraße), Herbeder Fußgängerzone

Geografie


Wiesenflächen in Westherbede, im Hintergrund die A 43.
Wiesenflächen in Westherbede, im Hintergrund die A 43.

Herbede liegt direkt an der Ruhr und am Kemnader Stausee mit großen Freiflächen, Freizeitangeboten sowie zahlreichen Rad- und Wanderwegen. Im Süden gibt es hügelige, größere zusammenhängende Waldgebiete, die den Übergang ins Sauerland und Bergische Land bilden. Essen, Bochum und Dortmund sind in wenigen Minuten zu erreichen.


Stadtteilgliederung


Ehem. Rathaus, bis 1975 Sitz der Stadtverwaltung
Ehem. Rathaus, bis 1975 Sitz der Stadtverwaltung

Der Stadtteil Herbede besteht aus verschiedenen Ortsteilen und fünf so genannten statistischen Bezirken, die mit Nummern versehen sind. Es handelt sich um

Zwischen 1951 (Verleihung der Stadtrechte) und 1975 (Eingemeindung Herbedes durch Witten) bestand die Stadt Herbede aus den Stadtteilen Herbede-Ort, Vormholz, Durchholz, Bommerholz, Kämpen und Buchholz (ab 1970).

Evangelische Kirche
Evangelische Kirche

Geschichte


Projektierte Straße zwischen Blankenstein und Herbede, Teil I, 1820
Projektierte Straße zwischen Blankenstein und Herbede, Teil I, 1820
Projektierte Straße zwischen Blankenstein und Herbede, Teil II, 1820
Projektierte Straße zwischen Blankenstein und Herbede, Teil II, 1820

Herbede wurde 851 erstmals urkundlich erwähnt als Villa Herribeddiu. 1032 wurde die Kirche St. Vitus, die zur Abtei Deutz gehört, gebaut. Haus Herbede wurde 1208 erstmals urkundlich genannt, eine Ruhrbrücke bei Herbede wurde 1347 erstmals erwähnt. 1589 hielt die Reformation Einzug in Herbede. Eine Schule für das Kirchspiel wurde 1606 errichtet. 1683 erhielt Herbede das Recht, einen Wochenmarkt durchzuführen. Aufgrund des Widerstands der Nachbarstädte Witten und Hattingen wurde dieses Recht jedoch 1689 zurückgezogen.

Die Herbeder Schleuse wurde 1780 in Betrieb genommen. Der Fabrikant Friedrich Spennemann errichtete 1783 zwei Hämmer. Die Stahl- und Eisenfabrik Herdegen nahm 1788 den Betrieb auf. 1811 wurde eine neue Schleuse gebaut, 1828 ein Postamt eröffnet und 1860 ein Walzwerk. Die Ruhrtal-Bahn verband Herbede ab 1868 mit dem Rheinland. Das Amt Heven-Herbede wurde 1886 gegründet, dazu gehörten Ost- und Westherbede, Durchholz, Vormholz und Heven. Pfarrvikar Johannes Wächter errichtete 1889 zusammen mit Franziskanerinnen ein Schwesternhaus, das auch als Waisenhaus diente. Der Anschluss an das Wasserversorgungsnetz erfolgte 1894, das Rathaus Herbede wurde um 1900 errichtet, 1906 wurde Herbede elektrifiziert.

Am 1. April 1926 wurde aus den Gemeinden Durchholz, Vormholz, Ostherbede und Westherbede die Gemeinde Herbede gebildet.[2] Das Gasversorgungsnetz wurde 1927 in Betrieb genommen. Anlässlich der 1100-Jahr-Feier erhielt Herbede am 14. Juli 1951 die Stadtrechte.[2] Im Rahmen einer Gebietsreform wurde am 1. Januar 1970 der Ortsteil Buchholz der bisherigen Stadt Blankenstein eingegliedert.[3] 1971 wurde der Streckenabschnitt der A 43 freigegeben. Am 1. Januar 1975 wurde Herbede nach Witten eingemeindet.[4]

Der Kemnader See wurde 1980 eröffnet. Bruno J. Sobotka und Freunde gründeten 1982 den Förderverein Haus Herbede, heute Förderverein Wittener Herrenhäuser. Der spätere Kardinal Franz Hengsbach eröffnete 1985 das Altenzentrum St. Josefshaus. Das erste Herbeder Oktoberfest fand 1986 statt, seither lockt das Stadtfest viele Besucher an. Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten wurde das Haus Herbede 1988 der Öffentlichkeit übergeben. Nach dem teilweisen Zerfall des Gemäuers und der zeitweiligen Nutzung als Wohnhaus diente es seitdem unter anderem als Bühne für Kleinkunst und Ausstellungsraum für bildende Künstler.


Bildung


Im direkten Einzugsbereich Herbedes gibt es zwei Universitäten (Universität Witten/Herdecke, Ruhr-Universität Bochum).


Infrastruktur und Wirtschaft


Fachwerk-Idylle in der Schulstraße 2006
Fachwerk-Idylle in der Schulstraße 2006

Verkehr



Schienen-, Straßenbahn- und Busverkehr

Der ÖPNV wird in Herbede durch die Buslinien 320, 374, 375, SB 38 und SB 67 sichergestellt. Der Regionalbahnhof in der Innenstadt von Witten ist in 16 Minuten zu erreichen, der nächste Fernverkehrsbahnhof in Bochum innerhalb von etwas mehr als 30 Minuten.

Linie Verlauf Takt (Mo–Fr)
320 Witten-Rüdinghausen Witten-Annen  – Witten Rathaus / Husemannstr. Witten Hbf  – Heven Dorf – Freizeitbad Heveney – Bochum-Querenburg, Ruhr-Universität / Herbede Mitte – Hattingen Steinenhaus – Niedersprockhövel Kirche 60 min
374 Bochum-Querenburg, Ruhr-Universität  – Witten-Heven Herbede 60 min
375 (Witten-Kämpen Herbede) / Bochum-Querenburg, Ruhr-Universität  – Witten-Heven Witten Hbf  – Witten Rathaus – Annen Markt Witten-Annen  – Holzkamp-Gesamtschule – Wartenberg / Große Borbach 30/60 min
SB38 Hattingen Mitte  – Burg Blankenstein – Haus Kemnade Witten-Herbede Witten Hbf  – Witten-Bommern – Wetter-Wengern Wetter Bf  – Grundschöttel – Gevelsberg-Silschede Gevelsberg Hbf  – Milspe – Ennepetal Busbahnhof 60 min
SB67 Wuppertal Hbf  – Haßlinghausen Busbahnhof – Niedersprockhövel Kirche Herbede Mitte – Freizeitbad Heveney – Heven Dorf Ruhr-Universität 60 min

In den Außenbezirken von Herbede gibt es aufgrund der dünnen Besiedlung nur ein rudimentäres Busnetz. Der Versuch, einen Bürgerbus einzurichten, scheiterte 2006 mangels aktiver Unterstützung durch die Bevölkerung.

Von April bis November bedient an einigen Tagen die Museumseisenbahn „RuhrtalBahn“ die beiden Herbeder Haltepunkte „Witten-Herbede“ und „Ruine Hardenstein“.


Straßen

Herbede ist durch die Bundesautobahn 43 an das Fernstraßennetz angebunden.


Wirtschaft


Lohmann-Werksgelände in Herbede
Lohmann-Werksgelände in Herbede

Bürgerkreis


Der Bürgerkreis Herbede e.V. geht auf eine Initiative von Privat- und Geschäftsleuten im März 2003 zurück. Die offizielle Vereinsgründung erfolgte am 11. Juli 2005. Als gemeinsame Plattform für alle, die sich für Herbede engagieren wollen, einzelne Bürger, Vereine, Gemeinschaften, Schulen, Betriebe, Kirchen, aber auch Parteien will der Bürgerkreis dazu beitragen, das Interesse an der Entwicklung Herbedes zu fördern und Ideen für den gemeinsamen Lebensraum zu erarbeiten und umzusetzen. Die Funktionalitäten des Stadtteils Herbede sollen erhalten, die wirtschaftliche Entwicklung des Ortsteils gestärkt und die Versorgungsstruktur ergänzt und weiter verbessert werden. Über den Bürgerkreis als gemeinsame Plattform bürgerschaftlichen Engagements sollen Sachverstand und Ortskenntnisse der Herbeder Bürger für die zukünftige Entwicklung des Ortes stärker aktiviert werden und in die politischen Entscheidungen einfließen. Dadurch will der Bürgerkreis zur Transparenz der politischen Prozesse und zur Rationalität der Entscheidungsfindungen beitragen.

Der Bürgerkreis beschäftigte den „Dorfmeister Herbede“ (Kümmerer im Ort) und wendet sich seit Jahren gegen die Bebauung einer an das Zentrum angrenzenden Brachfläche (Gerberviertel) mit einem Lebensmittel-Vollversorger. Zum zweiten Mal wird jetzt ein Bürgerbegehren mit initiiert, nach dem der Rat der Stadt entgegen vorliegender Sachargumente bestehende Vereinbarungen aufgehoben und nunmehr diese Fläche für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes freigegeben hat. Der Bürgerkreis, der Heimatverein Herbede, Bewohner und Akteure des Ortes befürchten eine Zerstörung des Zentrums und weitere Nachteile für die Entwicklung des Stadtteils.


Medien


Das Medienangebot entspricht dem Medienangebot der Stadt Witten. Darüber hinaus erscheinen in Herbede:

Beide Publikationen erscheinen in den Herbeder Ortsteilen Herbede-Mitte, Buchholz und Kämpen, in Vormholz und Durchholz sowie außerhalb Herbedes in Lake.


Kultur und Sehenswürdigkeiten


Haus Herbede
Haus Herbede
Göpelschacht Moses im Vormholzer Teil des Muttentals
Göpelschacht Moses im Vormholzer Teil des Muttentals

In Herbede findet sich mit dem ehemaligen Adelssitz Haus Herbede aus dem 12. Jahrhundert das älteste Gebäude Wittens.

In Herbede gibt es mehrere Anleger für das Fahrgastschiff Schwalbe II, das jedoch nur in den Sommermonaten zwischen dem Kemnader See und Bommern verkehrt. Mit Saisonbeginn Anfang April können Brautpaare die „Schwalbe“ chartern, um sich an Bord trauen zu lassen. Die Betreiber der „Schwalbe“ sind die Stadtwerke Witten.

Zu Herbede (Gemarkungen Ostherbede und Vormholz) gehört auch der Bereich des Naturschutzgebiets Hardenstein mit der Burgruine Hardenstein und Teilen des Bergbauwanderwegs Muttental. In der Nähe der Ruine verkehrt die Hardenstein zwischen der südlichen Herbeder Ruhrseite und der nördlichen Hevener Ruhrseite, auf der die Herbeder Schleuse liegt.

Herbede gehört 2007 zu den immer weniger werdenden Stadtteilen im Ruhrgebiet, die noch über ein klassisches Zentrum mit inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften verfügen.

Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Evangelische Kirche.


Trivia


Der Hellweger Anzeiger berichtete am Samstag, dem 8. Februar 1865 von folgendem Vorfall in Herbede:

"In einem hiesigen wohlhabenden Bürgerhause soll kürzlich eine alte Frau in auffallender Weise von ihrem Lebensende überrascht worden sein. Schwiegermutter und Schwiegertochter - bekanntlich ein schwieriges Gespann am Wagen friedlicher Häuslichkeit - gerieten in heftigen Wortwechsel, wobei die Erstere sich dermaßen aufregte, daß sie scheinbar von einer Ohnmacht ergriffen wurde, die aber in einen Schlaganfall überging und den Tod augenblicklich herbeiführte. Der Weise des alten Testaments sagt mit Recht: 'Eifer und Zorn verkürzen das Leben.'"


Literatur




Commons: Witten-Herbede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Angaben zur Fläche und zu den Einwohnerzahlen der Stadtteile (Memento vom 27. April 2021 im Internet Archive)
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 244.
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, DNB 456219528, S. 112.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 330.



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